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Bruno/Germany

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/ 23. September 2021

Jetzt ist das schon wieder teurer! Die Inflation ist in den vergangenen Monaten wieder verstärkt Thema geworden. 3,2 Prozent betrug sie zuletzt im August. Ist jetzt Panik angesagt? Nein. Denn nüchtern betrachtet finden sich einige Corona-Effekte, die die Teuerung derzeit ärger erscheinen lassen, als sie wirklich ist.

Nach monatelangen Lockdowns wird nun wieder kräftig konsumiert, das treibt aktuell vor allem die Preise für Gastronomie, Hotellerie und Flugtickets. Ein Effekt, der im kommenden Jahr wieder abebben wird. Das zeigen auch die Prognosen der Oesterreichischen Nationalbank. Weiters hat der produzierende Sektor nach wie vor mit Lieferengpässen und teilweise Materialknappheiten zu kämpfen. Ganz hat sich der Welthandel eben noch nicht von der Krise erholt.

Eine der größten Rollen spielen momentan aber vor allem Basiseffekte: Die Treibstoffpreise zum Beispiel sind für einen großen Anteil der Teuerung verantwortlich. Sie rauschten aber im Jahr 2020 pandemiebedingt in den Keller. Wir vergleichen also die aktuellen Preise mit einem sehr niedrigen Niveau. Der Anstieg wirkt dadurch umso stärker. Im Vergleich zu 2018 sind die Treibstoffpreise im August lediglich um 1,9 Prozent gestiegen.

Es gibt einen Preistreiber, der vor allem Haushalten mit niedrigen Einkommen zu schaffen macht: die Wohnkosten.

Doch es gibt noch einen Preistreiber, der vor allem langfristig vielen von uns zu schaffen macht: die Wohnkosten. Diese stiegen über die vergangenen 15 Jahre konstant an und sind auch nicht im Begriff, sich bald zu erholen. Vor lauter Panik um die derzeit etwas höheren Inflationsraten geht der Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahrzehnte verloren. Das ist schade. Denn da zeigt sich, was wir eigentlich wirklich im Börserl zu spüren bekommen – und vor allem, wer es besonders zu spüren bekommt. Die Inflation betrifft uns nämlich nicht alle gleich. Haushalte mit niedrigerem Einkommen geben den größten Teil davon für Wohnen und Lebensmittel aus – also für die Deckung ihrer Grundbedürfnisse. Bei einkommensstärkeren Haushalten fließt hingegen deutlich mehr in Verkehr und Freizeit.

Die Preise haben sich in diesen Bereichen sehr unterschiedlich entwickelt. Während etwa die Mietpreise seit 2005 um fast 66 Prozent stiegen, verteuerten sich Kraftstoffe lediglich um ein Viertel. Auch die Nahrungsmittelpreise erhöhten sich im Schnitt um 40 Prozent. In der Folge bekamen ärmere Haushalte die Teuerung in den vergangenen 15 Jahren deutlich stärker zu spüren. Ihre persönliche Inflationsrate lag im Durchschnitt um 3 Prozentpunkte über jener des reichsten Fünftels der Haushalte.

Hauptverantwortlich dafür ist die Steigerung der Wohnkosten. Was es daher dringend braucht, sind Lösungen, wie wieder mehr günstiger Wohnraum geschaffen werden kann. Kurzfristige Corona-Effekte sollten nicht unseren Blick auf die mittel- und langfristigen Entwicklungen der Lebenshaltungskosten verstellen. Die Inflation hat nämlich ein Verteilungsproblem. Den strukturellen Preistreibern sollten wir uns intensiv widmen – und klarstellen, wer darunter eigentlich zu leiden hat.

 

Der Kommentar erschien zunächst in der "Wiener Zeitung".

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