Kindergarten
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/ 6. April 2021

Die hohe Teilzeitquote von Frauen ist ein Problem. Jede zweite Frau in Österreich arbeitet Teilzeit, aber nur jeder zehnte Mann. Das führt zu geringeren Einkommen, schlechteren Karrierechancen und ist Risikofaktor für Altersarmut. 

Was dagegen tun? Arbeitsminister Kocher möchte Teilzeit „weniger attraktiv machen“, etwa über höhere Steuern. Dahinter steht der Gedanke, dass höhere Stundenzahlen auch – leicht – höher besteuert werden. Nur: Die höheren Steuern halten ja offensichtlich auch Männer nicht davon ab, Vollzeit zu arbeiten. 

Drei Ansatzpunkte, worüber wir besser reden sollten.

Erstens: Die österreichische Zeitverwendungsstudie zeigt, dass Frauen durchschnittlich 9 Stunden pro Woche weniger in bezahlten Jobs arbeiten als Männer. Gleichzeitig leisten sie 11 Stunden mehr unbezahlte Arbeit – jede Woche. 

Zweitens: Wer Vollzeit arbeitet, benötigt einen zumindest neun Stunden geöffneten Kindergarten. Damit sind aber in Steiermark oder Vorarlberg vier von zehn Kinderbetreuungseinrichtungen nicht mit Vollzeit-Arbeit kompatibel. Von besseren Betreuungsverhältnissen und kleineren Gruppen würden insbesondere auch Kinder profitieren. Bis dato “lösen” wir das Qualitätsproblem in der Kleinkind-Pädagogik mithilfe des schlechten Gewissens der berufstätigen Mütter. 

Drittens: Vollzeit ist oft nicht der Wunsch der Arbeitnehmerin. 20 Prozent der Männer und immerhin jede zehnte Frau geben an, keine Vollzeitbeschäftigung gefunden zu haben. Teilzeit hat für Arbeitgeber Vorteile: So schreibt eine Drogerie-Kette in Österreich aktuell 33 Jobs im Verkauf aus. Davon Vollzeit: null.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist für die allermeisten Frauen ein Balanceakt voller Stress, schlechtem Gewissen und Verzicht auf eigene Bedürfnisse. In Zeiten von Corona noch mehr. Wer Frauen Vollzeitarbeit ermöglichen will, muss auch die Voraussetzungen dafür schaffen. 

 

Der Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Kleinen Zeitung.

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