Vermögensverteilung

Über Geld spricht man nicht. Diese nicht nur in Österreich weit verbreitete Haltung zeigt, wie schwierig es für viele ist, über Besitz und Vermögen zu reden. Das gilt aber nicht nur für den persönlichen Austausch, sondern auch für die Forschung. Es gibt viel mehr Daten zu sozial schlechter gestellten Menschen als zu Vermögenden. Das änderte sich erst mit der europaweiten Erhebung zur Finanzsituation und Konsum der Haushalte (HFCS – Household Finance and Consumption Survey) die erste Anhaltspunkte für die Vermögenssituation in Österreich liefert. Genau deswegen ist die Frage, wie die Vermögen in Österreich verteilt sind, in den letzten Jahren ein noch viel intensiver diskutiertes Thema. Es lohnt sich also das Thema genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Was wissen wir?

Das reichste Prozent besitzt in Österreich rund 40 % des Nettovermögens, das ist mehr als die ärmeren 90 % der Bevölkerung zusammen haben (34.3 %).

Wer mehr als 500.000 Euro an Vermögen besitzt, gehört zu den reichsten 10 % in Österreich. Bei Befragungen glaubt keiner dieser Haushalte, wirklich zu den reichsten zu gehören, sie ordnen sich wie die überwiegende Mehrheit (70%) in der Mitte ein.

Daraus folgt: Bei den Vermögen gibt es keine breite Mittelschicht, wie wir sie von den Einkommen kennen. Der Reichtum ist bei wenigen Superreichen konzentriert.

Die reichsten Haushalte besitzen vermehrt Unternehmensbeteiligungen, Wertpapiere und Zinshäuser, in der ärmeren Hälfte ist es meist ein Auto und ein Sparbuch.

Beim Beitrag von vermögensbezogenen Steuern zum gesamten Steueraufkommen liegt Österreich in der OECD an drittletzter Stelle, nur knapp vor der Slowakei und Estland. Vermögensbezogene Steuern trugen 2016 in Österreich rund 1,3% zum Steuerkuchen bei, 1965 waren es noch rund 4 %.

 

Was ist die Faktenbasis?

Es gab lange so gut wie keine Daten zur Vermögensverteilung in Österreich. Aber seit 2010 erhebt die Österreichische Nationalbank im Zuge des europaweiten Househoulds Finance and Consumption Survey (HFCS) im Zuge einer Umfrage die Vermögensverhältnisse in Österreich (zuletzt 2017).

Die wenigen wirklich Reichen sind in der Studie allerdings nicht erfasst. Ein großer Teil war wohl gar nicht in der Stichprobe und zum anderen ist die Teilnahme freiwillig, was das Fehlen der Reichsten in der Studie auch erklären kann.

Aufgrund der schwierigen Datenlage bei den Reichen haben Forscher der Johannes Kepler Universität Linz die Daten mit statistischen Verfahren und unter Berücksichtigung von anderen Erhebungen an die Realität angenähert. Das Ergebnis ist eine vorsichtige Schätzung, es sind selbst in diesem Ergebnis keine MilliardärInnen enthalten. Aber es sind die besten verfügbaren Daten zur Vermögenslage in Österreich.

Vermögensverteilung

Darüber hinaus gibt es noch Vermögenserhebungen von Banken und Medien, wie zum Beispiel die Reichenlisten des Magazin Forbes oder die globale Vermögenserhebung der Credit Suisse.

 

Was wird diskutiert?

Auf der persönlichen Ebene gilt: Über das eigene Vermögen wird ungern gesprochen und die meisten schätzen sich selbst falsch ein, was ihre Position entlang der Vermögensverteilung betrifft. Wenn es um das Vermögen der Anderen geht, ist es oft eine Mischung aus Neid und Bewunderung die die Diskussion antreibt. In der wissenschaftlichen Diskussion sind die Fakten anerkannt, was die ungleiche Verteilung der Vermögen in Österreich angeht. Umstritten ist, inwieweit diese ein gesellschaftliches und ökonomisches Problem darstellen und ob eine höhere Besteuerung von Vermögen wünschenswert wäre.

Dazu ein Faktencheck:

Talking Point

Faktencheck

Eine Vermögenssteuer trifft auch den Mittelstand.

Bei einem Freibetrag von einer Million Euro zahlen nur die reichsten 4%, bei einem Freibetrag von 500.000 Euro sind es die reichsten 10%. (Ferschli et al, 2017) Es gibt bei den Vermögen gar keinen Mittelstand.

Vermögende sind ohnehin schon so belastet. Eine Vermögenssteuer ist ein Standortnachteil.

Österreich hat den drittniedrigsten Anteil von vermögensbezogenen Steuern am Gesamtsteueraufkommen (2016: 1,3 %). Zum Vergleich: In Großbritannien liegt dieser Wert bei 13%. (OECD, 2018)

Vermögensbesteuerung kostet Arbeitsplätze.

Vermögenskonzentration geht, auf Grund höherer Sparquoten von Vermögenden, auf Kosten der Massenkaufkraft und gefährdet dadurch Arbeitsplätze.

Vermögenssteuern liefern keinen nennenswerten Beitrag zum Steueraufkommen.

Je nach Steuermodell wird das Aufkommen einer Vermögenssteuer auf bis zu 8 Milliarden Euro im Jahr geschätzt. (Ferschli et al., 2017)

Die Vermögenskonzentration ist gar kein Nachteil für eine Gesellschaft.

Gleichere Gesellschaften sind glücklicher. Die Vielen profitieren von einem gut ausgebauten Sozialstaat. Der bringt gerechte Bildungschancen, soziale Absicherung bei Krankheit und im Alter.

Die Reichen geben ohnehin viel für die Gesellschaft.

Die Wohltätigkeit der ÖsterreicherInnen wird überschätzt. Es werden nur ca. 510 Millionen Euro im Jahr gespendet. (Spendenbericht, 2013)

 

Wie geht es weiter?

Klar ist, Vermögen sind in Österreich sehr ungleich verteilt. Diese Schieflage in der Vermögensverteilung verursacht ökonomische genauso wie gesellschaftliche Probleme. Eine Lösung dafür ist die Einführung von Vermögens- und Erbschaftssteuern, wie es sie in vielen anderen Ländern auch gibt. Das reduziert die Ungleichheit und schafft Spielraum für wichtige Zukunftsprojekte, wie zum Beispiel die Finanzierung der Pflege.

Die politische Diskussion über vermögensbezogene Steuern ist immer auch eine ideologische. Es geht um Haltungsfragen und um die Vorstellung, wie eine Gesellschaft am besten funktionieren kann, genauso wie um konkrete Interessen einzelner Gruppen. Wichtig ist in der Auseinandersetzung, die Fakten klar zu benennen und auch aufzuzeigen, welche Auswirkungen die Entscheidung pro oder contra vermögensbezogene Steuern auf gesellschaftliche Zusammenhänge und die konkreten Lebenslagen der Menschen hat.

 

Quellen:


Ferschli, Benjamin/Kapeller, Jakob/Schütz, Bernhard/Wildauer, Rafael (2017): Bestände und Konzentration privater Vermögen in Österreich. ICAE  Working Paper 72 https://www.jku.at/fileadmin/gruppen/108/ICAE_Working_Papers/wp72.pdf

Fessler, Pirmin/Lindner, Peter/Schürz, Martin (2016): Household Finance and Consumption Survey des Eurosystems 2014: Erste Ergebnisse für Österreich (zweite Welle) www.hfcs.at

OECD (2018): The Role and Design of Net Wealth Taxes in the OECD, OECD Tax Policy Studies No. 26, https://www.oecd.org/tax/tax-policy/role-and-design-of-net-wealth-taxes-in-the-OECD-summary.pdf

Pickett, Kate/Wilkinson, Richard (2009): Gleichheit ist Glück. Warum gerechtere Gesellschaften für alle besser sind. Berlin.

Spendenbericht 2013, Fundraising Verband Austria (http://www.fundraising.at/LinkClick.aspx?fileticket=Ua7rQuLLYac%3d&tabid=421&language=de-DE)


Links und Leseempfehlungen:

www.verteilung.at
www.binichreich.at
www.reichtumsmythen.at

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