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Staatlicher Wohnbau: Österreich gerät europaweit ins Hintertreffen

Oliver Picek
05. Oktober 2023
Staatlicher Wohnbau: Österreich gerät europaweit ins Hintertreffen

Im EU-Vergleich investiert der Staat in Österreich nur wenig Geld in den Wohnbau. Von 26 Ländern liegt Österreich im Ländervergleich auf Platz 16. Während Bund und Gemeinden wenig tun, hören private und gemeinnützige Wohnbauträger zunehmend auf zu bauen. Das Momentum Institut empfiehlt, dass der Staat wieder stärker selbst in den leistbaren Wohnbau einsteigt. Angesichts der drohenden Rezession kommt ein Bau-Konjunkturpaket zum richtigen Zeitpunkt.

Bei den staatlichen Ausgaben für Wohnungswesen belegt Österreich des Bruttoinlandsprodukts den 16. Platz im EU-Vergleich. In den letzten 20 Jahren sind die staatlichen Wohnbauausgaben hierzulande um rund 60 Prozent gesunken – relativ zur Wirtschaftsleistung: Während sie 2001 noch bei 0,41 Prozent des Bruttoinlandsprodukts lagen, betragen sie 2021 nur noch 0,16 Prozent. Damit ist Österreich weit entfernt vom Spitzenreiter Frankreich, wo mit 0,43 Prozent des BIP zweieinhalb Mal so hohe staatlichen Ausgaben in den Wohnbau fließen. Österreich liegt auch unter dem EU-Schnitt von 0,2 Prozent des BIP.

Einbruch des Neubaus bei Privaten und Gemeinnützigen

Österreich hat eine lange Tradition an öffentlichem und gemeinnützigem Wohnbau. Das ermöglichte es über viele Jahrzehnte hinweg leistbare Mietwohnungen in vergleichsweise guter Qualität. Durch noch immer überhöhte Grundstücks- und Immobilienpreise bei mittlerweile wieder hohen Zinsen ist der leistbare Wohnbau stark unter Druck. Die Folgen spiegeln sich bereits in den Daten der Statistik Austria zu den erteilten Baubewilligungen wider. Im ersten Quartal 2023 sanken die Baubewilligungen im Vergleich zum Vorjahr im privaten Bereich um 33 Prozent. Bei den gemeinnützigen Bauträgern brachen die Baubewilligungen sogar um die Hälfte ein. Erfasst werden dabei Neuerrichtungen ganzer Gebäude sowie An-, Auf- und Umbautätigkeiten außerhalb Wiens.

Auch die Neukreditvergabe an Haushalte für Wohnbauzwecke lag im August 2023 mit 814 Millionen Euro nur mehr bei einem guten Viertel des Werts vom Höchststand im März 2022 mit 2.952 Millionen Euro. Greift der Staat nicht ein, droht eine Neubaulücke und damit ein Mangel an günstigen Wohnungen in den nächsten Jahren. Österreich wächst – mehr Menschen brauchen auch mehr Wohnraum.

Angesichts der laufenden Rezession in Österreich empfiehlt das Momentum Institut ein Konjunkturpaket für leistbares Wohnen. Auch die steigende Arbeitslosigkeit im Hochbau könnte solch ein Wohnbau-Konjunkturpaket bekämpfen. Langfristig würde ein staatliches Wohnbauprogramm die Zahl an günstigen Wohnungen erhöhen und damit den Anstieg der Mieten abbremsen. Für mehr genossenschaftlichen Wohnbau muss die Wohnbauförderung wieder zweckgebunden werden. Um Energie zu sparen und die Energiekosten zu senken, sollte bestehender Wohnraum im Rahmen des Konjunkturpakets auch thermisch saniert werden. 

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