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Weltspartag 2023 im Sinne der Banken

Oliver Picek
30. Oktober 2023
Weltspartag 2023 im Sinne der Banken

2023 schauen Sparer:innen abermals durch die Finger, die Banken dagegen dürfen dieses Jahr die Korken knallen lassen. Das verdeutlichen die Gewinnzahlen der drei Finanzgiganten Erste Bank, Bank Austria und BAWAG. Letztere erzielte in den ersten drei Quartalen 2023 einen Gewinn von 506 Millionen, was einer Steigerung von ganzen 84 Prozent im Vergleich zu 2018-2022 entspricht. Die Bank Austria setzt mit einem Gewinn von 901 Millionen Euro noch einen drauf und konnte somit ihre Gewinne beinahe verdreifachen. Mit Profiten von rund 1,7 Milliarden in den ersten drei Quartalen 2023 führt die Erste Bank allerdings mit großem Vorsprung. Das entspricht einer Gewinnsteigerung von 141 Prozent gegenüber den Gewinnen des Fünf-Jahres-Schnitts.

Grund für diese explosionsartigen Gewinne ist nicht zuletzt der Krieg in der Ukraine. Durch die daraus entstehende Energiekrise sind die Preise nach oben geschnalzt und trieb damit auch die Zinsen der Europäischen Zentralbank an. Allerdings erklärt das allein diese Rekordzahlen nicht. Der Schmäh der Banken liegt in der ungleichen Zinsweitergabe. So erhalten Sparer:innen immer noch lediglich 0,73 auf ihr (täglich fälliges) Erspartes, während heimische Banken für ihre Einlagen bei der Zentralbank vier Prozent bekommen.

Ein Blick auf die Zinsüberschüsse, also dem Unterschied zwischen Zinsertrag und Zinsaufwendungen der Banken, verdeutlicht diese Schieflage der ungleichen Zinsweitergabe. Die drei Banken verzeichneten kräftige Steigerungen: Im Fünf-Jahres-Schnitt von 2018 bis 2022 hatte die Bawag einen Zinsüberschuss von 682 Millionen Euro. In den ersten drei Quartalen 2023 betrug der Zinsüberschuss bereits 914 Millionen – um ein Drittel mehr. Die Bank Austria konnte ihren Zinsüberschuss auf knapp 1,2 Milliarden Euro mehr als verdoppeln (+115 Prozent). Der Zinsüberschuss der Erste Bank nahm um ganze 1,18 Milliarden Euro zu (+68 Prozent). 

Mit einer Übergewinnsteuer könnte man die Krisenprofiteure in der Finanzindustrie an den hohen Kosten der Inflationsbekämpfung beteiligen. Mit einer Übergewinnsteuer von 50 Prozent hätte der Finanzminister alleine im ersten Dreivierteljahr 2023 allein von diesen drei Banken 380 Millionen Euro eingenommen. Für die Sparer:innen war der heurige Weltspartag jedenfalls wenig motivierend. Ein Blick nach Frankreich zeigt allerdings, dass auch hier die Politik gefragt ist. Mit einer staatlich garantierten Mindestzinsen auf Erspartes, gerade für Haushalte mit niedrigen Einkommen, wäre zur Abwechslung mal der kleinen Frau oder dem kleinen Mann statt der Finanzindustrie geholfen.

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