Person bekommt Coronaimpfung Impfpflicht
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/ 27. September 2021

Österreichs niedrige Impfquote ist eine Katastrophe. Statt die Pandemie überwunden zu haben, stecken wir in der vierten Welle. Nun scheint guter Rat teuer: was tun, damit sich mehr impfen lassen? Ja, es gibt einen harten Kern an Impf-GegnerInnen, die kaum zu überzeugen sind. Aber die allermeisten Menschen sind vernünftigen Argumenten zugänglich.

Die letzten öffentlich diskutierten Vorschläge und Maßnahmen gegen die Misere lauten: Testen kostenpflichtig machen, Arbeitslosen, die Jobs mit Impfpflicht nicht annehmen, die Versicherungsleistung streichen, Selbstbehalte im Gesundheitssystem einführen.  Das Motto: Impf-Skepsis muss man sich leisten können. Das stammt aus einer Denktradition, die gern davon spricht, Anreize setzen zu wollen, deren konkrete Vorschläge aber eher an Esel, Karotten und Peitschen denken lassen.

Die Regierung hat den Sommer verschlafen

Im Sommer hätten wir offensive Maßnahmen gebraucht: ein zugewiesener Impftermin. Ein vorausgemachtes Beratungsgespräch bei der eigenen Hausärztin, die auch die oft gestreuten Falsch-Infos zurechtrücken könnte. Lokale, auf spezifische Communitys zugeschnittene Kampagnen. Impfangebote ohne Termin, ohne E-Card, ohne Ausweis. Zumindest die oft vorgeschlagene Lotterie mit Preisen für Geimpfte findet (spät) im kleinen Burgenland Anwendung. Wien hat sich mit niedrigschwelligen Impf-Angeboten bemüht. Aber insgesamt: zu wenig, zu spät.

Volle Intensivstationen, Tausende Kinder in Quarantäne oder unter Long-Covid-Gefahr, verschobene Operationen und ausgebranntes Krankenhaus-Personal: Es ist legitim, dass sich viele fragen, wie hoch das Opfer ist, das die Gemeinschaft bringen muss, weil sich einige nicht impfen lassen. Ein liberaler Staat verhängt eine Impfpflicht als letzten Schritt, nachdem man alles andere versucht hat. Das ist im Sommer nicht passiert. Die Schuld dafür tragen die Regierenden, nicht die Armen und Arbeitslosen. Und ein gerechter Staat verhängt eine Impflicht wenn, dann für alle - unabhängig von der Geldbörse.

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Kleinen Zeitung.

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