Das Wort "Lockdown" aus Scrabblesteinen geformt
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/ 31. Oktober 2020

Wieviele Jobs sind durch die Explosion der Infektionszahlen und den zweiten Lockdown im November bedroht? 132.000 Arbeitsplätze sind unmittelbar stark gefährdet und weitere 383.000 indirekt und somit teilweise in Gefahr. Das besagt eine Schnellanalyse des Momentum Instituts.

Nimmt man den ersten Lockdown sowie die geplanten Schließungen als Maßstab, sind rund 132.000 Jobs akut gefährdet. Diese befinden sich in den drei von den Schließungen am stärksten betroffenen Wirtschaftsbranchen Gastronomie & Hotellerie, Kunst & Unterhaltung, und sonstige Dienstleistungen (inklusive z.B. Kosmetik- und Massagestudios).

Wie schon im Lockdown ab Mitte März werden wichtige Branchen indirekt betroffen sein - beispielsweise durch die Zurückhaltung der KonsumentInnen oder weniger Aufträge. Dadurch sind weitere rund 383.000 Arbeitsplätze indirekt gefährdet, vor allem in dem Bereichen Handel, Industrie sowie Verkehr.

'Ein zweiter Lockdown trifft den Arbeitsmarkt wieder extrem hart. Er könnte über 500.000 Jobs kosten, falls die Unternehmen das Instrument der Kurzarbeit diesmal weniger nutzen', stellt Oliver Picek, Chefökonom des Momentum Instituts, fest.

Das Momentum Institut empfiehlt daher eine Anhebung des Arbeitslosengelds auf zumindest 70% der Nettoersatzrate, weil die Zahl der offenen Stellen im November erneut rapide zusammenschrumpfen wird. Des Weiteren kann eine verordnete Senkung der notwendigen Mindestarbeitszeit für Kurzarbeit (Phase 3) in besonders betroffenen Branchen die Jobverluste begrenzen.

Rund 94.000 Arbeitsplätze sind in einer Reihe weiterer Branchen zwar relevant, aber diesmal potenziell weniger betroffen als im Frühjahr. Der Unklarheit, mit der Baufirmen auf dem letzten Lockdown verschiedentlich reagiert haben, dürfte diesmal wegfallen.

Die Schätzung des Momentum Instituts stützt sich auf Erfahrungen aus dem 1.Lockdown kombiniert mit einer ersten Einschätzung des 2. Lockdowns. Als gefährdete Jobs gezählt haben die WirtschaftsforscherInnen Arbeitsplätze, die im 1. Lockdown (April) verschwanden, aber bis September von den Betrieben wieder besetzt wurden. Das inkludiert Arbeitslose, die wieder eingestellt wurden, sowie knapp über die Hälfte der KurzarbeiterInnen (55%), wenn die tatsächlich ausgefallene Arbeitszeit aus den Abrechnungen der Kurzarbeit berücksichtigt wird. So werden in der konservativen Berechnung nur Arbeitsplätze gezählt, die entweder schon einmal verloren gegangen sind oder nur aufgrund der Kurzarbeit erhalten geblieben sind.

'Die knapp 400.000 Arbeitslosen vor Corona sowie 70.000 Corona-Arbeitslose sind in der Rechnung der aktuell bedrohten Jobs gar nicht enthalten', erläutert Oliver Picek.

Mit dem Auslaufen des ersten Lockdowns haben die Betriebe hundertausende Beschäftigte aus der Kurzarbeit zurückgeholt und Zehntausende Arbeitslose wiedereingestellt. Dennoch blieben knapp 70.000 Arbeitslose mehr als vor dem Lockdown arbeitslos (im Vergleich zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres) und rund 160.000 KurzarbeiterInnen weiterhin auf reduzierter Arbeitszeit (tatsächliche Abrechnungen des AMS, Stand August).

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