Gender Pay Gap: Zwei Drittel der Lohnlücke bleiben unerklärt
Am 11. Februar 2026 ist Equal Pay Day. Von Jahresbeginn bis zu diesem Tag arbeiten Frauen ganzjährig vollzeitbeschäftigte Frauen statistisch gesehen gratis. Grund dafür ist der anhaltende Gender Pay Gap, also die geschlechtsspezifische Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Ginge es rein nach der Bildung, müssten Frauen bereits besser bezahlt werden als Männer – sie machen nämlich häufiger hohe Bildungsabschlüsse als Männer. Trotzdem hat sich die Lohnlücke (Vollzeit + Teilzeit) in den letzten 25 Jahren gerade einmal um 5 Prozentpunkte geschlossen. Schreibt man diese Entwicklung fort, haben wir erst in 165 Jahren Einkommensgleichheit.
Ein weiterer zentraler Grund für den Gender Pay Gap liegt in der Berufswahl. Frauen und Männer arbeiten in Österreich in sehr unterschiedlichen Berufen und die typischen „Frauenberufe“ sind deutlich schlechter bezahlt. Besonders brisant ist dabei: Der Arbeitsmarkt ist sehr stark geschlechtergetrennt. Frauen konzentrieren sich stark auf wenige Berufsfelder wie Handel, Pflege, Bildung und Betreuung, während Männer sich auf deutlich mehr – und besser bezahlte – Berufe, etwa in Technik, Industrie, Bau oder IT verteilen. Männer haben also mehr berufliche Vielfalt als Frauen.
Doch auch wenn man den Faktor Berufswahl oder den höchsten Bildungsgrad, das Arbeitszeitausmaß, die Berufserfahrung, die Branche oder die Region berücksichtigt, lassen sich immer noch zwei Drittel der Lohnlücke statistisch nicht erklären. Dieser Policy Brief zeichnet ein Bild über den Status Quo des Gender Pay Gap in Österreich und fokussiert in einer Detailanalyse mit Daten der österreichischen Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung 2024 und der Statistik Austria auf die Faktoren „Geschlechtsspezifische Bildungsunterschiede“ und „Geschlechtertrennung am Arbeitsmarkt“.