

Am 11. Februar war Equal Pay Day. Bis zu diesem Tag arbeiten Frauen in Österreich statistisch gesehen gratis. Der Grund ist bekannt, aber deshalb nicht weniger skandalös: die anhaltende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern. Selbst bei ganzjähriger Vollzeit bekommen Frauen rund zwölf Prozent weniger bezahlt. Rechnet man Teilzeit dazu, wächst der Abstand auf erschreckende 34 Prozent.
Oft wird so getan, als ließe sich dieses Problem mit “mehr Bildung” lösen. Die Realität widerlegt das: Frauen sind längst besser ausgebildet als Männer. Sie absolvieren häufiger höhere Schulen, Fachhochschulen und Universitäten. Bereits seit über einem Jahrzehnt machen Frauen mehr Hochschulabschlüsse als Männer. Unter den Erwerbstätigen haben Frauen die Männer bildungstechnisch sogar schon vor fast 25 Jahren überholt. Wenn Einkommen tatsächlich nach Qualifikation bezahlt würden, müssten Frauen heute mehr bezahlt bekommen als Männer.
Ein zentraler Grund liegt woanders: im strikt getrennten Arbeitsmarkt. Frauen und Männer arbeiten systematisch in unterschiedlichen Berufen. Nur: die typischen Frauenberufe sind schlechter bezahlt. Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung oder Handel halten dieses Land am Laufen. Bezahlt und behandelt werden sie dennoch wie Tätigkeiten zweiter Klasse. Männer hingegen verteilen sich auf mehr Berufsfelder. Dabei vor allem auf jene mit besseren Einkommenschancen, etwa in Technik, Industrie, Bau oder IT. Mehr als die Hälfte aller Beschäftigten müsste den Beruf wechseln, damit Frauen und Männer gleichmäßig über alle Jobs verteilt wären.
Seit 1997 hat sich der Gender Pay Gap nur minimal verringert. In diesem Tempo brauchen wir weitere 165 Jahre bis zur Einkommensgleichheit. Was es braucht, sind klare politische Schritte: verpflichtende Gehaltstransparenz, deutlich höhere Löhne in systemrelevanten Frauenberufen, echte Vereinbarkeit durch flächendeckende Kinderbetreuung, kürzere Arbeitszeiten bei vollem Lohnausgleich und eine verpflichtende Väterkarenz. Die Gleichstellung passiert nicht von allein. Sie muss politisch auch gewollt werden.
Dieser Text erschien zunächst in der Tiroler Tageszeitung.