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Wenn Öl knapp wird, darf Luxus nicht Vorrang haben

Barbara Blaha
12. Mai 2026
Wenn Öl knapp wird, darf Luxus nicht Vorrang haben

Der Krieg im Iran ist Realität und mit ihm die nächste Energiekrise. Öl wird knapp, Preise steigen, Lieferketten geraten unter Druck. Jetzt noch auf Zeit zu spielen, kostet Handlungsspielraum und verschärft die sozialen Folgen.

Der Appell an alle, nun doch Energie zu sparen, trifft am Ende vor allem jene, die ohnehin wenig Spielraum haben. Gleichzeitig gibt es Bereiche, in denen Einsparungen sofort möglich sind, ohne Grundbedürfnisse zu berühren.

Der Flugverkehr ist so ein Bereich. Besonders eklatant sind Privatjets. In Österreich entspricht ihr jährlicher Verbrauch rund 900 Millionen Auto-Kilometern. Das entspricht fast 2 Millionen Fahrten von Wien nach Innsbruck. Für die sehr kleine, sehr privilegierte Gruppe, die sich Privatjet-Flüge leisten kann, wäre es in einer akuten Ölkrise schlicht vernünftig, diese Flüge zu streichen.

Ähnlich bei Kurzstrecken mit guter Zuganbindung. Verbindungen unter sechs Stunden lassen sich realistisch auf die Schiene verlagern. Allein diese Flüge entsprechen etwa 385 Millionen Auto-Kilometern. Besonders absurd sind innerösterreichische Kurzstrecken wie Wien – Innsbruck. Die zwei täglichen Flüge verbrauchen, in Diesel umgerechnet, rund vier Millionen Liter Treibstoff pro Jahr. Damit könnte ein Mittelklassewagen etwa 138.000-mal diese Strecke fahren. Die rund 200.000 Passagiere könnten bequem auf den Zug ausweichen.

Ein Kurzstreckenflugverbot hätte zudem unmittelbare Vorteile für die Menschen vor Ort. Weniger Starts und Landungen bedeuten weniger Lärm, weniger lokale Schadstoffe, weniger Belastung für die Innsbrucker Bevölkerung.

Rationierung ist heikel, aber in einer Knappheitssituation unvermeidlich. Entscheidend ist die Reihenfolge. Zuerst dort sparen, wo es am wenigsten wehtut und am meisten bringt. Privatjets und vermeidbare Kurzstreckenflüge stehen ganz oben auf dieser Liste. Das ist eine Frage von Effizienz und Fairness.

Wer jetzt handelt, kann drastischere Maßnahmen verhindern. Wer weiter zögert, wird am Ende breiter und härter eingreifen müssen. Die Energiekrise ist da. Jetzt zählt politischer Mut zu klaren Prioritäten.

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Tiroler Tageszeitung.

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