Spritpreise: Bis Jahresende drohen 1,1 Milliarden Euro zusätzliche Aufschläge


Die gestiegenen Sprit-Aufschläge könnten sich in Österreich heuer auf rund 1,1 Milliarden Euro zusätzlich summieren. Das unsere neue Berechnung anlässlich des europäischen Vorstoßes für eine Übergewinnsteuer auf Mineralölkonzerne.
Seit Beginn des US-Iran-Kriegs wurden beim Verkauf von Benzin und Diesel in Österreich bereits rund 654 Millionen Euro mehr an Aufschlägen verrechnet als unmittelbar vor Kriegsbeginn. Das sind im Durchschnitt rund 3,7 Millionen Euro pro Tag. Bleibt der Aufschlag bis Jahresende auf diesem Niveau, kommen weitere rund 471 Millionen Euro hinzu. Insgesamt wären es damit rund 1,1 Milliarden Euro. Allein bei privat genutzten Pkw summieren sich die zusätzlichen Aufschläge in den ersten 25 Wochen seit Kriegsbeginn auf rund 228 Millionen Euro.
Eine Milliarde Euro zusätzlich fällt nicht vom Himmel. Die Tankstellenpreise sind deutlich stärker gestiegen, als es Rohöl und Steuern allein erklären können. Genau deshalb ist es richtig, jetzt eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne zu fordern.
Besonders deutlich ist die Entwicklung beim Diesel. In der Woche vor Kriegsbeginn kostete ein Liter durchschnittlich 1,55 Euro. Seit Kriegsbeginn waren es im Durchschnitt 1,93 Euro. Der Preis stieg damit um 38 Cent pro Liter. Davon entfallen 13 Cent auf den höheren Rohölpreis und fünf Cent auf Steuern und Abgaben. 20 Cent kommen vom gestiegenen Aufschlag. Damit erklärt der höhere Aufschlag mehr als die Hälfte des gesamten Dieselpreisanstiegs.
Bei Benzin stieg der Durchschnittspreis von 1,51 Euro auf 1,75 Euro, also um 24 Cent. Davon entfallen 13 Cent auf Rohöl, zwei Cent auf Steuern und Abgaben und neun Cent auf den höheren Aufschlag.
Beim Diesel ist der Effekt besonders drastisch: Das Rohöl macht 13 Cent des Preisanstiegs aus, der höhere Aufschlag 20 Cent. Wer behauptet, die hohen Preise an der Zapfsäule seien einfach der unvermeidliche Preis des Krieges, erzählt nur die halbe Geschichte.
Der Aufschlag ist jener Teil des Tankstellenpreises, der übrig bleibt, wenn der Rohölpreis sowie Steuern und Abgaben abgezogen werden. Darin stecken unter anderem Raffination, Transport, Vertrieb und die Margen der beteiligten Unternehmen.
Der berechnete Aufschlag ist daher nicht mit dem Unternehmensgewinn gleichzusetzen. Die Berechnung zeigt aber, wie stark jener Teil des Spritpreises gestiegen ist, der weder durch höhere Rohölpreise noch durch höhere Steuern erklärt werden kann.
Verglichen wird der durchschnittliche Aufschlag seit Kriegsbeginn mit jenem in der Woche unmittelbar davor. Für den Zeitraum von Kalenderwoche 10 bis Kalenderwoche 34 ergibt sich auf Basis des gesamten österreichischen Verbrauchs von Super 95 und Diesel ein zusätzlicher Aufschlag von rund 654 Millionen Euro.
Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt zudem: Steigende Rohölpreise werden sehr rasch an den Tankstellen weitergegeben. Sinkt der Rohölpreis wieder, fallen Benzin- und Dieselpreise deutlich langsamer.
Seit Beginn des Krieges war dieses Muster besonders ausgeprägt. Nach dem starken Anstieg im Frühjahr ging der Rohölpreis zeitweise deutlich zurück. Die Spritpreise blieben dennoch auf hohem Niveau. Die ausgeweiteten Aufschläge gingen nicht im selben Ausmaß zurück.
Die Mineralölbranche gibt steigende Kosten sehr zuverlässig weiter. Bei sinkenden Kosten funktioniert diese Geschwindigkeit plötzlich weit weniger gut. Eine europäische Übergewinnsteuer würde sicherstellen, dass außergewöhnliche Krisengewinne nicht vollständig bei den Konzernen bleiben.
Daher wäre es empfehlenswert, die Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne nachzuschärfen und auf EU-Ebene zu vereinheitlichen. So kann verhindert werden, dass Konzerne ihre Gewinne in andere Länder verschieben, um der Steuer zu entgehen.