Die Mehrheit der Unternehmen in Berufen mit einem beklagten „Arbeitskräftemangel“ sucht Mitarbeiter:innen zu Mindest-Kollektivvertragsgehältern. Die erwartbare Reaktion auf einen Mangel, höhere Löhne anzubieten, bleibt bei vielen Unternehmen bisher aus. Das Momentum Institut hat die beim Arbeitsmarktservice (AMS) inserierten Stellenanzeigen und die Gehaltsangaben dazu analysiert.

Österreichs Wirtschaft erlebt einen starken Aufschwung. Viele Betriebe – unter anderem jene, die während der Lockdowns auf Kündigungen statt auf Kurzarbeit gesetzt haben – suchen wieder Mitarbeiter:innen. Das schlägt sich in der Zahl der offenen Stellen nieder. Nachdem Ende Dezember 2020 mit knapp 50.000 die niedrigste Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldeten Stellen seit über vier Jahren registriert wurde, sind mit Stand Ende August 126.000 Stellen ausgeschrieben.

Dennoch wird von Wirtschaftskammer, einigen Unternehmer:innen (speziell aus den Branchen Gastronomie, Hotellerie sowie aus Bäckereien), Wirtschaftsbund, Industriellenvereinigung und dem Arbeitsminister vermehrt ein Mangel an Arbeitswilligkeit beklagt. Der Tenor dabei ist, dass die Höhe des Arbeitslosengeldes die Arbeitslosen davon abhielte, Jobs anzunehmen. Die Vorschläge zur „Behebung“ des Arbeitskräftemangels reichen dabei von einem degressiven Arbeitslosengeld, das nach einem gewissen Zeitraum unter das derzeitige Notstandshilfeniveau absinkt, bis zu verschärften Zumutbarkeitsbestimmungen für Langzeitarbeitslose, einer Streichung der Zuverdienstgrenze für Arbeitslose, und einem erzwungenen Abrutschen aus der Notstandshilfe in die Mindestsicherung.

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Der Markt regelt es, bis er es nicht mehr tut.

Findet ein Unternehmen nicht ausreichend Mitarbeiter:innen, müsste es den Gesetzen des Marktes folgend die Löhne erhöhen oder die Arbeitsbedingungen verbessern. Doch mehr als die Hälfte der offenen Stellen nennt Gehälter im Bereich der Mindesthöhe der Kollektivverträge. Eine Bereitschaft zur Überzahlung – wie wohl oft genannt – wird de facto nie konkret in Euro angegeben. Der Mitarbeitermangel ist damit bei einem Teil der Betriebe hausgemacht. Dennoch dürften Arbeitslose viele dieser Stellen trotz Bezahlung an der Untergrenze annehmen.

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Wie lange werden Arbeitskräfte gesucht?

Die Inserate in den ausgewählten Berufen sind nur geringfügig länger online als die gesamten beim AMS gemeldeten offenen Stellen. Selbst in Tourismusregionen gibt es beim Alter der Stellenanzeigen kaum Abweichungen vom Üblichen. Das ist ein Zeichen, dass der generelle Mangel an Arbeitsplätzen noch nicht vorbei ist und selbst viele Betriebe mit niedrigen Gehaltsangeboten noch immer Mitarbeiter:innen finden.

Handlungsempfehlungen

Die detaillierte Analyse gibt es  als Download.

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