Das Wort "Lockdown" aus Scrabblesteinen geformt
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/ 24. März 2021

Über ein Jahr ist seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 vergangen. Das Momentum Institut zieht nun mit einem eigens berechneten "Covid Misery Index" Bilanz, wie stark Österreich im internationalen Vergleich sowohl gesundheitlich, als auch wirtschaftlich getroffen wurde.

 

Der ursprüngliche Elends-Index (Misery Index) des amerikanischen Ökonomen Arthur Okun wurde erstmals in den 1960er-Jahren berechnet. Er diente als bewusst einfach konstruierte Messzahl dazu, sich einen schnellen, aber aussagekräftigen Überblick über den Zustand der Wirtschaft verschaffen zu können. Dafür wurden schlicht die Werte der Arbeitslosenrate und Inflationsrate addiert – je höher der Index, desto „elender“ die wirtschaftliche Gesamtsituation. Diverse Forscher haben seither den ursprünglichen Index erweitert, verändert, und an neue Fragestellungen angepasst. Das Momentum Institut hat nun einen eigenen Corona-Elends-Index berechnet. Dazu werden zwei gesundheitliche und zwei wirtschaftliche Messgrößen miteinander verbunden:  

  • Inzidenz 

  • Todesfälle 

  • Anstieg der Arbeitslosigkeit 

  • Rückgang des Bruttoinlandsprodukts 

 

Die Stichprobe setzt sich aus 32 OECD-Staaten zusammen. Angegeben wird der Index im Schulnotensystem. Innerhalb dieser Gruppe erreicht Österreich ein “Befriedigend” und liegt mit einem Wert von 3,22 auf Platz 17. Sechzehn der betrachteten Länder wiesen eine niedrigeren Wert auf und sind daher besser durch die Krise gekommen als Österreich. Staaten, die in ihrer Pandemiepolitik eine No-Covid/Zero-Covid-Politik verfolgten (z.B. Australien, Südkorea) verzeichnen die besten Noten (dank niedrigerer „Elends“-Werte) und liegen am unteren Ende der Reihung. In diesen Ländern waren sowohl die gesundheitlichen als auch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie bis dato weniger dramatisch als in vielen anderen Ländern.  

In Österreich halten sich gesundheitliche und wirtschaftliche Folgen in etwa die Waage. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit spielt in Österreich eine wesentlich geringere Rolle als die vergleichsweise schlechte Entwicklung des Wirtschaftswachstums. Grund dafür dürfte die weit verbreitete Kurzarbeit sein, die in Österreich bis dato viele ArbeitnehmerInnen in Beschäftigung gehalten hat. Besonders drastisch wirkt sich die hohe Arbeitslosigkeit hingegen auf den Indexwert der USA aus. Was den Einbruch des Wirtschaftswachstums angeht, liegt Österreich mit einem Minus von 6,6% im Jahr 2020 nur auf Platz 24. Das Schlusslicht in diesem Bereich bildet Spanien. Am besten schnitt indes Irland ab. Hier wuchs die Wirtschaft sogar im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich der beiden gesundheitlichen Messzahlen liegt Österreich im Mittelfeld der betrachteten Länder. Das Land, das sowohl die meisten Infizierten als auch Toten je 100.000 Einwohner zu verzeichnen hat, ist Tschechien. Am besten schnitten hingegen Australien und Südkorea ab.

 

Wie errechnet sich dieser Index nun genau? Die ersten zwei Variablen umfassen die kumulierte Anzahl an Corona-Infizierten je 100.000 Einwohner zwischen dem Ausbruch der Pandemie und dem Stichtag 13. März, sowie die kumulierte Anzahl der Corona-Todesfälle je 100.000 Einwohner zwischen Pandemiebeginn und dem 14. März 2021. Die wirtschaftlichen Variablen umfassen die Veränderung der durchschnittlichen Arbeitslosenrate (internationale Berechnungsmethode) zwischen den Jahren 2019 und 2020, sowie die Veränderung der realen Wachstumsrate des Bruttoinlandsproduktes zwischen 2019 und 2020. Für jeden dieser vier Bereiche erhält ein Land einen Wert zwischen null (bester Wert) und 1,25 (schlechtester Wert). Der Wert ergibt sich aus der relativen Position eines Landes zwischen dem besten und schlechtesten Wert dieser Kategorie. Summiert man die einzelnen Werte auf, ergibt sich der „Covid Misery Index“, welcher genau einen Wert zwischen null und maximal fünf annimmt. Dies lässt sich nun auch auf eine Art “Schulnotensystem” umlegen. Ein glatter Einser kann erreicht werden, wenn ein Land in allen vier Kategorien am besten abschneidet.  Dies entspräche dann dem „minimalen Elend“. Die Note sechs hingegen bedeutet „maximales Elend“, also der Kombination aus den vier jeweils schlechtesten Werten aller Länder in den vier Kategorien Arbeitsmarkt, BIP-Rückgang, Todeszahlen und Inzidenz. Die Daten zu Infektions- und Todeszahlen stammen von “Our World In Data”, die beiden wirtschaftlichen Indikatoren von der OECD

 

Wichtig festzuhalten ist, dass es sich beim „Covid Misery Index“ um ein Resümee der Vergangenheit handelt. Es wird dabei im Grunde ein internationaler Vergleich der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie seit deren Ausbruch hergestellt. In der Zukunft kann sich dieses Ranking selbstverständlich ändern – eine erfolgreiche Impfstrategie bietet dafür im Moment das größte Potential, entscheidende Veränderungen mit sich zu bringen. Auch das Ausmaß und die Treffsicherheit staatlicher Hilfsprogramme wird für die Entwicklungen der kommenden Monate von hoher Bedeutung sein. 

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