Mind the gap
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/ 22. Oktober 2021

Am 25. Oktober ist wieder Equal Pay Day. Das ist der Tag, ab dem Frauen statistisch gesehen gratis arbeiten. Ab diesem Tag fehlen noch rund 18 % der 356 Tage des Jahres 2021. Vergleicht man Vollzeitgehälter, verdienen Frauen nämlich durchschnittlich um diesen Betrag weniger als Männer. Viel relevanter, aufgrund der hohen Teilzeitquote von Frauen, ist aber die Betrachtung der Einkommenslücke aller unselbständig Erwerbstätigen. Hier sehen Frauen jährlich um 13.000 Euro bzw. knapp 36 % weniger am Gehaltszettel als Männer. Der wahre Equal Pay Day ist also eigentlich bereits im August. 

Beim Gender Pay Gap von 36 % handelt es sich um die mittlere Einkommenslücke für ganz Österreich. Betrachtet man die einzelnen Bundesländer, so zeigen sich enorme regionale Unterschiede. In Wien ist der Gender Pay Gap mit knapp 19 % mit Abstand am niedrigsten, im „zweitbesten“ Bundesland Niederösterreich ist er schon beinahe doppelt so hoch. Schlusslicht ist Vorarlberg, wo Frauen um fast 48 % weniger Einkommen haben als Männer.

Die Erklärungen für den Gender Pay Gap sind vielfältig. Frauen arbeiten viel häufiger Teilzeit als Männer, Berufe in Branchen, in denen vermehrt Frauen arbeiten, werden im Durchschnitt schlechter bezahlt und schlussendlich gibt es auch noch die direkte Lohndiskriminierung, wenn Frauen für die gleiche Arbeit schlechter bezahlt werden als Männer. Was dabei jedoch nicht beleuchtet wird, sind die Gründe die sich dahinter verbergen. So ist einerseits zu hinterfragen, warum die Arbeit in Branchen, in denen hauptsächlich Frauen arbeiten, niedriger bewertet wird. Andererseits müssen die Hintergründe für die Arbeitszeitreduktion von Frauen betrachtet werden: Frauen haben im Vergleich zu Männern öfter die Verantwortung für Pflege, Hausarbeite sowie Kinderbetreuung.

Ob Kinder in Fremdbetreuung geschickt werden, damit die Erwerbsarbeitszeit ausgeweitet werden kann, hängt aber stark von der Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen ab. Die durchschnittlichen, täglichen Öffnungszeiten dieser Institutionen unterscheiden sich aber stark zwischen den einzelnen Bundesländern. So gibt es in Wien beispielsweise keine Kindergärten oder Horte, die unter 7 Stunden geöffnet haben, während diese in Vorarlberg und der Steiermark über 40 % ausmachen. Gleichzeitig haben in Wien mehr als 85 % über 10 Stunden geöffnet – ein Wert an den kein anderes Bundesland auch nur annähernd herankommt. Vergleicht man die Öffnungszeiten mit den Gender Pay Gaps der einzelnen Bundesländern, so lässt sich ein starker Zusammenhang erkennen: Bundesländer mit guter Verfügbarkeit von Kinderbetreuungseinrichtungen haben einen vergleichsweise niedrigen Gender Pay Gap, in Bundesländern mit einer schlechten Verfügbarkeit gibt es einen hohen Einkommensunterschied.

Ein Grund warum es wichtig ist, den Unterschied im Einkommen zwischen allen (und nicht nur zwischen Vollzeit) unselbständig Erwerbstätigen zu betrachten, ist, dass dieser über die Erwerbstätigkeit hinaus Auswirkungen hat. So wirkt sich ein niedrigeres Erwerbseinkommen nicht nur auf die spätere Pensionshöhe aus, was zu einer viel höheren Armutsgefährdung von Frauen im Alter führt. Auch in Phasen der Arbeitslosigkeit erhalten Frauen weniger und langfristig können sie weniger Vermögen aufbauen, unter anderem, weil sie auch weniger erben als Männer.

 

Mehr Infos dazu findet ihr in unserem Policy Brief vom letzten Equal Pay Day im Oktober.

 

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