Im Jahr 2018 betrug der Unterschied zwischen Männern und Frauen bei den mittleren Bruttojahreseinkommen knapp 37%. Während die Hälfte der unselbständigen Männer weniger als EUR 34.700 brutto im Jahr aus Erwerbstätigkeit verdiente, bekam die Hälfte der unselbständigen Frauen weniger als EUR 22.000 brutto – ein Unterschied von EUR 12.700. Diese Zahl ist unbestritten einer der wichtigsten Indikatoren, um die Geschlechterungerechtigkeit abzubilden, denn Erwerbseinkommen sind neben staatlichen Transfers für (die untersten) 99% der Bevölkerung die wichtigste Einkommensquelle. Der Gender Pay Gap hat jedoch über die Erwerbstätigkeit hinaus Auswirkungen: Frauen bekommen weniger Pension, weniger Arbeitslosengeld und haben ein geringeres Vermögen – unter anderem, weil sie weniger erben.

Gender Gaps

Wie lassen sich die Gender Gaps beseitigen?

Die Reduzierung bzw. Beseitigung des Gender Pay Gaps und der daraus resultierenden Differenzen bei Arbeitslosengeld und Pensionen (sowie indirekt auch beim Nettovermögen) kann nicht mit einzelnen, wenigen Maßnahmen erreicht werden. Die (ökonomische) Ungleichbehandlung von Frauen ist eine Folge von jahrhundertealten und tief in der Gesellschaft verankerten Rollenbildern sowie der strukturellen Benachteiligung von Frauen. Solange der Wert von unbezahlter sowie bezahlter Arbeit in den Bereichen Pflege, Erziehung und Betreuung nicht steigt, wird sich der Gender Pay Gap niemals vollständig beseitigen lassen. Folgende Maßnahmen können aber zumindest dazu beitragen, die Differenz zu minimieren.

Handlungsempfehlungen:

  • Sicherstellung von flächendeckenden, umfassenden und kostenlosen Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • Ausbau der öffentlichen Beschäftigung in systemrelevanten und gesamtwirtschaftlich sinnvollen Bereichen bei einem Mindestlohn von EUR 1.800 brutto
  • Höhere Bewertung von Kindererziehungs- und Pflegezeiten
  • Starke Erhöhung einer von Familienstand und PartnerInneneinkommen unabhängigen Ausgleichszulage
  • Mehr Gehaltstransparenz und Verbot von ungleicher Bezahlung für dieselbe Tätigkeit
  • Gerechtere Verteilung der Arbeitszeit: Einführung einer 30-Stunden-Woche
  • Eigenes Frauenministerium mit deutlich erhöhtem Budget
  • Verbesserung der Datengrundlage für Wissenschaft und Forschung im Bereich Geschlechterungleichheit: Neuauflage der Zeitverwendungsstudie sowie detailliertere Erfassung von Vermögen und Erbschaften

Unser Policy Brief im Detail gibt es als Download.

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