Verteilung
favorites-circle favorites-circle
favorites-circle-full favorites-circle-full

Equal Pay Day: Frauen arbeiten 42 Tage im Jahr gratis

Sophie Achleitner
10. Februar 2026
Equal Pay Day: Frauen arbeiten 42 Tage im Jahr gratis

Am 11. Februar 2026 ist Equal Pay Day. Von Jahresbeginn bis zu diesem Tag arbeiten Frauen in Vollzeitbeschäftigung statistisch gesehen gratis. Grund dafür ist der anhaltende Gender Pay Gap. Über alle unselbständig Beschäftigten hinweg (inklusive Teilzeitbeschäftigten) beträgt die Lohnlücke sogar 34 Prozent, also etwa ein Drittel.

Werden nur die vollzeitbeschäftigten Frauen und Männer miteinander verglichen, dann bekommen vollzeitbeschäftigte Frauen mit 51.261 Euro rund 12 Prozent (11,6 Prozent) weniger gezahlt als die männlichen Vollzeit-Kollegen mit 57.955 Euro. Hier muss man auch dazu sagen, dass der Frauenanteil der ganzjährig Vollzeitbeschäftigten nur bei 34 Prozent liegt, hier also die Einkommen von weniger Frauen mit einer großen Masse an Vollzeit-Männerlöhnen verglichen werden.

Der Equal Pay Day findet im Bundesländer-Vergleich an unterschiedlichen Tagen statt, da sich auch die geschlechtsspezifische Lohnlücke je nach Region unterscheidet. In Wien bekommen Frauen im Vollzeitjob nur 4 Prozent weniger gezahlt als Männer in Vollzeitbeschäftigung, das entspricht 15 unbezahlten Tagen pro Jahr, wodurch der Wiener Equal Pay Day bereits am 15. Jänner stattfand. Im Westen Österreichs, etwa in Vorarlberg ist die Lohnlücke auch bei Vollzeitbeschäftigten bedeutend größer: 73 Tage arbeiten Vorarlbergs Frauen in Vollzeit heuer gratis. Das entspricht einer Vollzeit-Lohnlücke zwischen den Geschlechtern von 20 Prozent.

Frauen sind besser ausgebildet, haben aber beim Gehalt nichts davon

Besonders brisant: An mangelnder Bildung liegt es nicht. Frauen sind heute im Durchschnitt besser ausgebildet als Männer. Dennoch schlägt sich dieser Vorsprung nicht in höheren Einkommen nieder.

Von jenen Personen in Österreich, die maximal die Pflichtschule abgeschlossen haben, sind weniger als die Hälfte weiblich (49 Prozent). BMS (Berufsbildende mittlere Schulen), höhere Schulen, Akademien und Universitäten und Fachhochschulen werden allesamt häufiger von Frauen absolviert.

Gemessen an allen Bildungsabschlüssen ist der Frauenanteil der Hochschul- und Akademieabschluss-Anteil seit 2011 größer als jener der Männer. 2024 wurden 54 Prozent der Hochschul- und Akademieabschlüsse von Frauen absolviert.

Gemessen an allen erwerbstätigen Frauen und Männern zwischen 25 und 64 Jahren, sind Hochschul- und Akademieabschlüsse bei Frauen sogar schon seit 2001 häufiger.

Wenn Einkommen tatsächlich nach Qualifikation und Bildung bezahlt würden, müssten Frauen heute im Schnitt besser bezahlt werden als Männer, das Gegenteil ist der Fall. 

Trotzdem hat sich der Gender Pay Gap in den letzten Jahrzehnten kaum geschlossen. Seit 1997 ist er lediglich um rund fünf Prozentpunkte zurückgegangen. Behalten wir das aktuelle Tempo bei, bedeutet das noch weitere 165 Jahre Ungerechtigkeit, bis wir Einkommensgleichheit erst im Jahr 2189 erreichen.

Frauen und Männer arbeiten in völlig unterschiedlichen Jobs

Ein zentraler Grund für die Lohnlücke liegt in der Berufswahl. Frauen und Männer arbeiten in Österreich systematisch in unterschiedlichen Berufen und die typischen Frauenjobs sind deutlich schlechter bezahlt. Frauen konzentrieren sich stark auf wenige Berufsfelder wie Handel, Pflege, Bildung, Betreuung Reinigung und Büroarbeit. Männer verteilen sich hingegen auf deutlich mehr – und deutlich besser bezahlte – Berufe, etwa in Technik, Industrie, Bau oder IT.

Rund 57 Prozent der erwerbstätigen Männer arbeiten in Männerberufen; in Frauenberufen sind sogar zu 62 Prozent Frauen tätig. In Mischberufen arbeiten Frauen und Männer in Österreich etwa gleich häufig. In Berufen, die weniger als 30 Prozent Geschlechtsgenoss:innen aufweisen, sind dagegen nur rund ein Zehntel der Frauen und Männer tätig: 14 Prozent Männer in Frauenberufen und sogar nur 8 Prozent Frauen in Männerberufen.

Wenige Berufe erklären einen Großteil der Ungleichheit

Besonders auffällig: Eine kleine Gruppe von stark weiblich oder männlich dominierten Berufen erklärt fast zwei Drittel der gesamten Geschlechtertrennung am Arbeitsmarkt. Während es nur sehr wenige Berufe gibt, in denen fast ausschließlich Frauen arbeiten, etwa in der Kinderbetreuung, Pflege oder Reinigung, existieren deutlich mehr Berufe, die fast ausschließlich von Männern ausgeübt werden, etwa am Bau, in der Industrie oder im Transportwesen.

Im Handel sind etwa 9,7 Prozent aller erwerbstätigen Frauen (15-64 Jahren) beschäftigt. In der Reinigung sind es 6,6 Prozent und in Betreuungsberufen und Gesundheitswesen 4,7 Prozent. 

Unsere Analyse zeigt, dass von insgesamt 123 Berufsuntergruppen nur 23 Frauenberufe sind (mehr als 70 Prozent Frauenanteil), 45 Männerberufe und 55 Mischberufe. Die meisten Berufsgruppen (45 Prozent aller Berufsuntergruppen) sind also Mischberufe. 37 Prozent der Berufsgruppen sind allerdings männlich dominiert, mit über 70 Prozent Männeranteil. Nur 19 Prozent der Berufsgruppen sind als Frauenberufe klassifiziert. 

Frauen haben dadurch weniger berufliche Auswahl, Männer hingegen mehr Vielfalt und bessere Einkommenschancen.

Das Momentum Institut empfiehlt:

  • Verpflichtende Gehaltstransparenz in allen Berufen und Branchen – privat und öffentlich
  • Höhere Löhne in „Frauenberufen“: Pflege, Bildung, Betreuung, Reinigung, Handel und Sozialberufe müssen endlich fair bezahlt werden
  • Bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Ausbau öffentlicher kostenloser und flächendeckender Kinderbetreuung sowie Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich entlasten Frauen
  • Verpflichtende Väterkarenz
Anzeige
Alles
Text
Grafiken
filter filter