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Wer in einkommensschwächeren Bezirken wohnt, lebt kürzer

Paul Steinmaßl
30. April 2026
Wer in einkommensschwächeren Bezirken wohnt, lebt kürzer

Österreich hat zwar im internationalen Vergleich ein Gesundheitssystem mit geringeren finanziellen Hürden, dennoch erfreuen sich auch hierzulande Wohlhabende einer besseren Gesundheit und eines längeren Lebens als Ärmere. Neben der Leistbarkeit kommt hinzu, dass in reicheren Gegenden deutlich mehr Ärzt:innen zur Verfügung stehen.

Unsere Analyse mit Daten der Stadt Wien zeigt: Die durchschnittlichen Lebenserwartungen in den 23 Wiener Bezirken unterscheiden sich deutlich voneinander. Eine naheliegende Erklärung sind die Einkommensunterschiede in den jeweiligen Bezirken.

Die längste Lebenserwartung haben Bewohner:innen im 1. Bezirk mit durchschnittlich 84,9 Jahren. Am kürzesten leben hingegen die Menschen in Rudolfsheim-Fünfhaus (15. Bezirk). Dort beträgt die Lebenserwartung nur 79,4 Jahre und damit mehr als 5 Jahre weniger. Wer sich in Wien etwas auskennt, erkennt hier ein Muster, das sich durch alle Bezirke zieht: Menschen, die in den ärmeren Bezirken Wiens leben, sterben im Durchschnitt deutlich früher.

Im 1. Bezirk ist das Gehalt der Bewohner:innen mit durchschnittlich 2.728 Euro netto am höchsten, während das Gehalt in Rudolfsheim-Fünfhaus mit 1.567 Euro im Schnitt am niedrigsten ist. Auch in anderen Bezirken gilt: Ist das Einkommen gering, spiegelt sich das in einer niedrigeren Lebenserwartung wider.

Deutlich weniger Ärzt:innen in den ärmsten Bezirken

Auch die Zahl der verfügbaren Ärzt:innen korreliert mit den durchschnittlichen Einkommen in den jeweiligen Bezirken. In den Bezirken mit den geringsten Nettoeinkommen – Rudolfsheim-Fünfhaus (15.), Brigittenau (20.), Favoriten (10.) und Ottakring (16.) – kommen nicht auf 1.000 Einwohner:innen. In reicheren Bezirken wie Währing (18.), Döbling (19.) oder Hietzing (13.) hingegen stehen etwas mehr als sieben Ärzt:innen pro 1.000 Einwohner:innen zur Verfügung. An oberster Stelle des Ungleichgewichts steht abermals der 1. Bezirk, wo sich pro 1.000 Bezirkseinwohner:innen sogar 38,1 Ärzt:innen finden.

Wo wenig Ärzt:innen verfügbar sind, drohen die Wartezeiten länger zu werden, die Praxen überfüllter und das Personal überlasteter. Das kann zur Folge haben, dass in ärmeren Bezirken Behandlungen verzögert und Krankheiten später erkannt werden.

Eine gerechte Gesundheitspolitik muss diese Unterschiede berücksichtigen. Es braucht eine nachhaltige Finanzierung von Gesundheitskassen, Spitälern und Primärversorgungszentren. Einsparungen verschärfen den Trend zur Zwei-Klassen-Medizin und verschlechtern den Zugang zu Versorgung, insbesondere für jene, die sie am dringendsten brauchen.

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