Spritpreisbremse drückt Mehrkosten aufgrund steigender Treibstoffpreise um ein Fünftel


Die Spritpreisbremse bremst die Mehrkosten durch teuren Sprit insgesamt um ein gutes Fünftel (21,2 Prozent). Die gestiegenen Spritpreise belasten ärmere Haushalte anteilig stärker, da sie einen größeren Teil ihres Einkommens dafür aufwenden müssen. Die Bremse schützt ärmere Haushalte besser vor steigenden Preisen als einkommensstärkere. Das Momentum Institut hat die Verteilungseffekte der Spritpreisbremse für die Haushaltszehntel auf Basis von Zahlen der Europäischen Kommission, Statistik Austria und der E-Control simuliert.
Der Iran-Krieg hat die Spritpreise in die Höhe schnellen lassen. Die gestiegenen Treibstoffpreise bedeuten für betroffene Haushalte mit Verbrenner-Pkw in Österreich im Schnitt Mehrkosten von 1,2 Prozent ihres monatlichen Nettoeinkommens. Die Spritpreisbremse verhindert weitere Mehrkosten in Höhe von 0,3 Prozent des Haushaltseinkommens. Das entspricht einem guten Fünftel der Mehrkosten.
Die teureren Spritpreise belasten ärmere Haushalte deutlich stärker anteilig zum Einkommen. Autofahrende im ärmsten Haushaltszehntel müssen im Durchschnitt 3 Prozent mehr ihres Einkommens aufwenden, wenn sie weiter tanken wie bisher. Ohne Spritpreisbremse würde sich die monatliche Mehrbelastung auf insgesamt 3,9 Prozent belaufen.
Bei Haushalten im bestbezahlten Zehntel bedeutet der Preisanstieg an der Zapfsäule abzüglich der Preisbremse lediglich Mehrkosten in Höhe von 0,7 Prozent anteilig am Einkommen. Hier drückt die Preisbremse die Mehrausgaben von insgesamt 0,9 Prozent um 0,2 Prozent.
Die Spritpreisbremse schützt ärmere Haushalte besser vor noch stärker sinkenden Haushaltseinkommen. Die Hälfte der Preissenkung durch die Spritpreisbremse stammt zudem aus den Übergewinnen der Mineralölkonzerne. Das ist verteilungsgerecht, denn der Reichtum der Besitzer:innen von Ölkonzernen explodiert gerade förmlich.
Umgerechnet auf einen Monat kosten die höheren Spritpreise seit Beginn des Iran-Kriegs die Haushalte im Mittel je nach Kraftstoff unterschiedlich viel. Haushalte mit Dieselfahrzeugen kostet der teurere Sprit im Monat um 50 Euro mehr, Haushalte mit Benzinern im Durchschnitt 17 Euro mehr. Die Spritpreisbremse verhindert zusätzliche monatliche Mehrkosten in Höhe von 10 Euro (Diesel) und 8 Euro (Benzin). Damit verhindert die Spritpreisbremse für Benziner-Haushalte im Schnitt rund ein Drittel der Mehrkosten (31,6 Prozent), für Haushalte mit Diesel-Pkw ist es rund ein Sechstel (16,9 Prozent).
Generell sind die heimischen Autofahrer:innen-Haushalte stärker vom Preisanstieg bei Diesel als Benzin betroffen: Der Preisanstieg bei Diesel (55 Cent) fällt stärker aus als bei Benzin (32 Cent), die Spritpreisbremse wirkt schwächer (weil die OMV ihre Gewinnmarge nur zur Hälfte reduziert), und mehr Haushalte fahren mit Dieselmotor als mit Benzinern.
Diesel-Haushalte im einkommensstärksten Zehntel bezahlen somit 59 Euro im Monat mehr für ihre Tankfüllungen. Durch die Spritpreisbremse ersparen sie sich im Mittel 12 Euro. Dieselfahrende im ärmsten Zehntel müssen 31 Euro mehr bezahlen. Sie ersparen sich durch die Spritpreisbremse im Schnitt 6 Euro. Weil ihr Einkommen aber viel geringer ist, wirkt die Spritpreisbremse bei ihnen trotzdem stärker: Sie ersparen sich relativ zu ihrem monatlichen Nettoeinkommen mehr als besserbezahlte Haushalte. Bei Benzin ist die absolute Belastung relativ gleich verteilt zwischen ärmeren und einkommensstärkeren Haushalten mit 12 bis 21 Euro an monatlichen Mehrkosten im jeweiligen Durchschnitt der Einkommensgruppen, und 6 bis 10 Euro Ersparnis durch die Spritpreisbremse. Weil die Einkommen der ärmeren Haushalte aber viel geringer sind, spüren sie die finanzielle Belastung deutlich stärker.
Wir empfehlen eine Verlängerung der Spritpreisbremse für Mai und Juni. Gerade auch für Benzin sollte die Spritpreisbremse verlängert werden – selbst wenn der im Gesetz als Voraussetzung genannte Preisanstieg knapp unter 30 Prozent liegen sollte. Denn im ärmsten Zehntel besitzen autofahrende Haushalte eher Benziner als Dieselfahrzeuge.
Hintergrund zur Analyse:
Betroffene Haushalte sind Haushalte, die Ausgaben für Treibstoff (Diesel, Benzin) bei ihren Konsumausgaben angeben. Die Spritpreise sind seit Beginn des Iran-Kriegs seit sieben Wochen erhöht, die Spritpreisbremse gilt aber erst seit drei Wochen. Zur besseren Vergleichbarkeit wurden die Euro-Zahlen auf einen Monat umgerechnet und standardisiert. Für die Ermittlung des Treibstoff-Preisanstiegs werden die Tankstellenpreise sieben Wochen vor und sieben Wochen nach dem Krieg verglichen. Haushalte mit Elektroautos werden nicht berücksichtigt. Der Effekt für besserbezahlte Haushalte wird daher etwas überschätzt. Weil die Daten die stärkere Verbreitung von Elektro- und Hybridautos noch nicht berücksichtigen können, und diese eher von Besserbezahlten gefahren werden, fällt die Ersparnis für einkommensstarke Haushalte in der Realität etwas niedriger aus als in der Simulation.