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Vatertag 2026: Väterkarenz bleibt Ausnahme, Sommerkarenz der Usus

Sophie Achleitner
13. Juni 2026
Vatertag 2026: Väterkarenz bleibt Ausnahme, Sommerkarenz der Usus

Zum Vatertag am Sonntag (14. Juni) hat das Momentum Institut ausgewertet, wie es um die Karenzbeteiligung und das Papamonat von Vätern in Österreich steht. Das Ergebnis: Von einer fairen Aufteilung der Sorgearbeit zwischen Eltern ist Österreich weit entfernt. Nur jeder fünfte Vater nimmt Elternkarenz in Anspruch. Viele Väter bleiben außerdem nur kurz zuhause und auffällig oft in den Sommermonaten. Auch im Bundesländervergleich zeigt die Analyse erhebliche Unterschiede.

Väter haben seit den 1990er-Jahren das Recht auf Karenz. Aber ein Recht am Papier verändert noch keine Rollenbilder und keine Arbeitswelt. In der Praxis ist Karenz in Österreich überwiegend immer noch Muttersache.

Laut Wiedereinstiegsmonitoring 2025 lag der Männeranteil bei den zuvor überwiegend beschäftigten Kinderbetreuungsgeldbezieher:innen mit mindestens einem Monat Bezug im Jahr 2023 bei 18,8 Prozent. Damit liegt die Väterbeteiligung weiterhin unter dem Vorkrisenniveau von 2019. Damals waren es 19,3 Prozent. Den bisherigen Höchstwert gab es 2017 mit rund 20 Prozent. Während der Krisenjahre ging die Beteiligung deutlich zurück, 2021 lag sie nur noch bei 16,6 Prozent. Seither steigt die Väterbeteiligung wieder langsam an, insgesamt bleibt sie aber gering

Starke Bundesländer Unterschiede

Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Wien war 2023 fast jede vierte zuvor überwiegend beschäftigte Person mit Kinderbetreuungsgeldbezug ein Vater. In Tirol und Kärnten waren es nur knapp 13 Prozent, im Burgenland sogar nur knapp 11 Prozent.

Karenzzeit über 6 Monate absolute Seltenheit

Entscheidend ist aber nicht nur, ob Väter überhaupt in Karenz gehen, sondern auch wie lange. Denn kurze Karenzzeiten verändern die Aufteilung der unbezahlten Arbeit in Familien meist kaum. Frauen und Mütter übernehmen in Österreich weiterhin rund zwei Drittel der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit. Das wirkt sich langfristig auf Einkommen, Karrierechancen und Pensionen aus.

Nur knapp jedes fünfte Paar (17,8 Prozent) teilt sich die Karenzzeit in irgendeiner Form auf. In diesen Paaren unterbrechen lediglich 0,9 Prozent der Väter länger als 6 Monate ihre Erwerbstätigkeit während des Kinderbetreuungsgeldbezugs, 3 bis 6 Monate machen das 1,6 Prozent und unter 3 Monaten 10,6 Prozent der Väter.

Entscheidend für eine faire Verteilung von unbezahlter Sorgearbeit ist vor allem die Dauer der Karenz, die Väter in Anspruch nehmen. Zahlreiche Studien belegen, dass eine längere Karenzzeit von Vätern positive Auswirkungen auf die Verteilung von Sorgearbeit hat, und dass Väter sogar auch dann noch mehr übernehmen, wenn die Kinder größer sind. Dass längere Väterkarenz einen Unterschied macht, zeigen auch die Wiedereinstiegsdaten der Mütter. In der Kohorte 2021 sind bis zum zweiten Geburtstag des Kindes rund 66 Prozent der zuvor überwiegend beschäftigten Frauen, deren Partner bis zu drei Monate in Karenz waren, wieder in den Beruf eingestiegen. Bei Frauen, deren Partner mehr als sechs Monate in Karenz waren, liegt dieser Anteil bereits bei rund 89 Prozent.

Papa-Monat wird kaum genutzt

Auch der Papa-Monat (Familienzeitbonus) bleibt weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Nur 15 Prozent der Paare nutzen den Familienzeitbonus. Am wenigsten wird das Angebot in Vorarlberg genutzt, mit rund 13 Prozent der Partnerschaften, in denen ein Papa-Monat in Anspruch genommen wird. Am höchsten ist die Inanspruchnahme in Oberösterreich mit knapp 18 Prozent.

Noch seltener folgt danach eine echte Väterkarenz: Nur 5 Prozent der Paare kombinieren Papa-Monat und eine Karenz des Vaters. Zwei Drittel der Väter, die den Papa-Monat nutzen, gehen nach dem Papa- Monat aber nicht in Elternkarenz. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede: In Oberösterreich nutzen zwar 18 Prozent der Paare den Papa-Monat, aber in zwei Drittel der Fälle gehen die Väter danach nicht in Elternkarenz. In Wien geht immerhin die Hälfte der Väter, die den Papa-Monat in Anspruch nehmen auch in Elternkarenz.

Ein Papa-Monat ist ein wichtiger Anfang. Aber er ersetzt keine echte Karenzbeteiligung. Gleichstellung entsteht nicht durch ein paar Wochen Ausnahmezustand, sondern durch Verantwortung im Alltag.

Schwimmbad-Helden: Saisonale Väterkarenz deutlich

Auffällig ist zudem, wann Väter Karenz nehmen. Daten des Sozialministeriums zu Kinderbetreuungsgeldbezieher:innen mit aufrechtem Dienstverhältnis zeigen ein klares Muster: Väter gehen besonders häufig im Sommer in Karenz. Von 2008 bis 2025 waren in den Monaten Juni, Juli und August im Schnitt rund 3.450 Väter in Karenz. Im Schnitt der übrigen Monate (September – Mai) waren es rund 2.800. Bei Müttern zeigt sich dieses Sommermuster nicht: Die Zahl der Mütter in Karenz ist in den Sommermonaten mit 73.560 Frauen mit Kinderbetreuungsgeld-Bezug etwas niedriger als den Rest des Jahres mit 74.700 Müttern. Im Juli ist der Männeranteil bei den Kinderbetreuungsgeldbezieher:innen mit aufrechtem Dienstverhältnis von 2008 bis 2025 am höchsten: Rund 3.620 Männer bzw. 4,9 Prozent sind im Juli in Karenz. Am unbeliebtesten sind Oktober, November und Dezember – im Schnitt sind es in diesen Monaten zwischen 2.590 und 2.760 Männern in Karenz bzw. zwischen 3,4 und 3,6 Prozent.

Die Betrachtung im Zeitverlauf bestätigt das saisonale Muster von Vätern, hinzukommt immer mehr Männer gehen in den Sommermonaten in Karenz im Vergleich zu 2008.

Das Momentum Institut empfiehlt daher bessere Anreize und Verpflichtungen für eine partnerschaftliche Aufteilung der Karenz. Etwa durch eine verpflichtende Väterkarenz und eine Arbeitswelt, in der Väterkarenz selbstverständlich ist. Wer Gleichstellung will, muss Väterkarenz aus der Ausnahme-Ecke holen. Es braucht Politik und Betriebe, die Vätern den Rücken stärken, sie aber gleichzeitig in die Verantwortung nehmen und Müttern nicht länger den Großteil der unbezahlten Arbeit zuschieben. 

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