Klima
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Hitzetage explodieren: 5-mal so viele wie noch in den 50ern

Paul Steinmaßl
19. Juni 2026
Hitzetage explodieren: 5-mal so viele wie noch in den 50ern

Mit voraussichtlichen Tageshöchstwerten von 35 Grad Celsius ist am Freitag der heißeste Tag des Jahres bisher. Doch dieses Einzelereignis steht für einen langfristigen Trend: Die Zahl der Hitzetage in Wien hat sich seit Mitte der 1950er-Jahre mehr als verfünffacht, während Eis- und Kältetage zunehmend seltener werden. Besonders besorgniserregend: Österreich heizt sich rascher auf als andere europäische Staaten und übertrifft zudem den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg.

 

Die historische Entwicklung zeigt eindeutig: Die mittlere Anzahl an Hitzetagen zwischen 1955 und 1959 lag in Wien noch bei lediglich sechs Tagen pro Jahr, im Zeitraum von 1990 bis 2000 stieg dieser Wert bereits auf 15 Tage an. Zwischen 2010 und 2020 verdoppelte sich die Quote erneut auf durchschnittlich 28 Hitzetage pro Jahr. Für das laufende Jahrzehnt zeichnet sich ein neuer Höchstwert ab. Bisher liegen uns Daten bis einschließlich 2025 vor – und schon jetzt sehen wir im Schnitt an 30 Tagen pro Jahr Temperaturen über 30 Grad. 2025 waren es in der Inneren Stadt in Wien gar 37 Hitzetage. 

Österreichs Temperaturanstieg stärker als im EU-Schnitt

Laut dem österreichischen Klimasachstandsbericht hat sich Österreich im Vergleich zum Mittelwert von 1850 bis 1900 um 3,1 °C erhitzt. Die Juli-Temperaturen in Österreich sind etwa seit 1850 um fast 3 °C gestiegen, von 14,8 °C (1850–1875) auf 17,6 °C (2021–2025). Besonders deutlich wird, dass der größte Teil des Temperaturerhitzung erst seit 2000 erfolgte: Österreichweit stieg die durchschnittliche Juli-Temperatur von 15,3 °C (1976–2000) auf 17,6 °C (2021–2025).

Sämtliche Bundesländer verzeichnen eine markante Erhitzung seit dem Zeitraum 1850-1875, darunter Wien (+3,1 °C auf 22,7 °C), Burgenland (+3,2 °C auf 22,2 °C), Niederösterreich (+2,9 °C auf 20,2 °C), Oberösterreich (+2,7 °C auf 19,0 °C), Salzburg (+2,6 °C auf 14,7 °C), Kärnten (+2,7 °C auf 16,8 °C), Steiermark (+2,9 °C auf 17,7 °C), Tirol (+2,4 °C auf 13,0 °C) und Vorarlberg (+2,3 °C auf 15,1 °C). Die Daten zeigen, dass die Erhitzung alle Regionen Österreichs erfasst und sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts deutlich beschleunigt.

Das ist selbst für Europa sowie sogar im Vergleich zum globalen Temperaturanstieg überdurchschnittlich: Die durchschnittliche Jahrestemperatur über den europäischen Landflächen war im letzten Jahrzehnt 2,12 – 2,19 °C höher als in der vorindustriellen Zeit, global gesehen waren es 1,54 °C. Europa hat sich in den letzten Jahrzehnten schneller erhitzt als jeder andere Kontinent.

Klimaschutz ist Menschenschutz

Die Zahl der Hitzetage in Österreich steigt seit Jahren deutlich an, mit spürbaren Folgen für Gesundheit und Lebensqualität. Besonders ältere Menschen, Kinder sowie Personen mit Vorerkrankungen sind durch anhaltende Hitzeperioden gefährdet. Die aktuelle Entwicklung zeigt, dass extreme Temperaturen längst kein Zukunftsszenario mehr sind, sondern bereits heute eine zunehmende Belastung für die Bevölkerung darstellen.

Studien prognostizieren, dass mit jeder weiteren Erwärmung die Zahl der hitzebedingten Todesfälle deutlich zunimmt: Während zwischen 1991 und 2020 durchschnittlich 636 Menschen pro Jahr an den Folgen von Hitze starben, könnte sich diese Zahl bei einer globalen Erwärmung von vier Grad auf mehr als 3.400 Todesfälle jährlich erhöhen. Die steigende Zahl an Hitzetagen ist nicht nur eine Frage des Wetters, sondern eine Herausforderung für die öffentliche Gesundheit. Jede zusätzliche Hitzewelle erhöht das Risiko für tausende Menschen in Österreich. Die vorliegenden Daten zeigen klar: Klimaschutz und wirksame Maßnahmen zur Anpassung an die Hitze sind auch Maßnahmen zum Schutz von Menschenleben. Das scheint die Bundesregierung mit ihrem aktuellen Kürzungspfad bei Investitionen in und Ausgaben für Klima und Umwelt zu vergessen.

Um die Klimakrise zu bekämpfen, muss zügig ein wirkungsvolles Klimaschutzgesetz zu verabschieden. Auch eine Bodenschutzstrategie inklusive Versiegelungs-Obergrenze ist nötig. Hinsichtlich des Budgets sollten klimaschädliche Subventionen gestrichen sowie mehr auf Ordnungspolitik gesetzt werden – sie ist wirkungsvoll und kostengünstig, etwa eine Neuauflage der Tempolimits (100 km/h auf der Autobahn, 80km/h auf Freilandstraßen und 30 km/h im Stadtgebiet) wäre ein effizienter Hebel.

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