Verteilung
favorites-circle favorites-circle
favorites-circle-full favorites-circle-full

Ausbleibende Unterhaltszahlungen kosten Staat 50 Millionen Euro jährlich

Sophie Achleitner
27. Januar 2026
Ausbleibende Unterhaltszahlungen kosten Staat 50 Millionen Euro jährlich

Fehlende Kindesunterhaltszahlungen kosten Österreich jährlich rund 50 Millionen Euro – und haben sich in den letzten 20 Jahren auf über 1,03 Milliarden Euro summiert, wie unsere Analyse zeigt.

Hunderttausende Kinder in Österreich sind auf verlässliche Unterhaltszahlungen angewiesen – doch ein großer Teil davon kommt nie an. Wenn unterhaltspflichtige Väter ihrer gesetzlichen Pflicht nicht nachkommen, springt der Staat mit Unterhaltsvorschüssen ein. Zwischen 2005 und 2024 musste der Staat in den Fällen von rund 40.000 bis 52.000 Kindern in Vorleistung gehen, weil die Unterhaltszahlungen ausblieben.

Die Analyse der Unterhaltsvorschuss-Statistik der Jahre 2005 bis 2024 des Justizministeriums zeigt: Seit 2005 hat der Staat Österreich insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro an Unterhaltsvorschuss ausgezahlt. Zurückgezahlt wurden nur rund 1,5 Milliarden Euro – das ist eine Rückzahlungsquote von etwa 59 Prozent, zwei Fünftel der ausbezahlten Unterhaltsvorschüsse bleiben gänzlich aus. Seit 20 Jahren sind unterhaltspflichtige Väter also mehr als eine Milliarde Euro an Unterhaltsvorschüssen schuldig (1,03 Milliarden Euro). 2024 allein waren es knapp 50 Millionen Euro (49.385.723 Euro) die Väter nicht zurückgezahlt haben.

Was mit dem jährlichen Rückstand bezahlt werden könnte

Mit diesen jährlich fehlenden 50 Millionen Euro könnte der Staat beispielsweise das gesamte Frauenbudget um rund 150 Prozent erhöhen (von 33,6 Millionen Euro auf über 80 Millionen Euro). Oder auch 4.940 Kindergartenplätze ein Jahr lang finanzieren, zum Vergleich: Damit wären 72 Prozent aller Kindergartenplätze im Burgenland, 43 Prozent der belegten Plätze in Vorarlberg oder rund ein Fünftel (22 Prozent) der Tiroler Kindergartenplätze für ein Jahr finanziert.

Annahmen der Analyse: Die Kosten eines öffentlichen Kindergartenplatzes belaufen sich schätzungsweise auf 10.000 Euro pro Jahr für den Staat (KDZ, 2022). Bei jährlichen Fehlbeträgen von knapp 50 Millionen Euro an Unterhaltszahlungen könnten also knapp 5.000 Kindergartenplätze (4.939 Plätze) ein Jahr lang finanziert werden. 

Die Analyse der Unterhaltsvorschüsse und -rückzahlungen basiert auf einer Tabelle, die auf Anfrage vom Justizministerium zur Verfügung gestellt wurde. Die Daten beziehen sich auf die Jahre 2003-2024 und ermöglicht eine quantitative Analyse des Umfangs der Unterhaltsvorschüsse, der Rückflüsse an den Staat sowie der Entwicklung laufender Fälle über die Zeit. Eine nach Geschlecht disaggregierte Auswertung der Zahlungsempfänger:innen ist jedoch nicht enthalten. Dass zu wenig Daten vorhanden sind, um Geschlechterungleichheiten systematisch aufzuzeigen, ist kein neues Problem. 

Schon im Jahr 2017 wurde im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage die spärliche Datenlage zu Unterhaltsvorschüssen und -rückzahlungen thematisiert – vor allem die fehlende Aufschlüsselung nach Geschlecht der Unterhaltszahlungsempfänger:innen.  Aus der Beantwortung der parlamentarischen Anfrage aus dem Jahr 2017 ist jedoch klar herauszulesen, wie das Geschlechterverhältnis bei Unterhaltszahlungen aussieht: 93 Prozent der Unterhaltsvorschüsse wurden an erziehungsberechtigte Frauen, also an die Mütter ausbezahlt. 

Außerdem hat der Rechnungshof dem Justizministerium bereits 2017 in einem Bericht empfohlen, Daten zum Unterhaltsvorschuss kontinuierlich und konsequent geschlechter– und herkunftsdifferenziert zu erheben, auszuwerten und darzustellen. 

Nach Geschlecht disaggregierte Daten systematisch zu dokumentieren, zu erheben und regelmäßig zu analysieren ist daher besonders wichtig, um Geschlechterungleichheiten überhaupt aufzeigen zu können. 

Anzeige
Alles
Text
Grafiken
filter filter