„Back to school“ heißt es kommenden Montag bereits für Kinder in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, die restlichen Bundesländer starten eine Woche später mit dem Unterricht. Während die Vorfreude auf das neue Schuljahr bei vielen Kindern steigt, haben Eltern ganz andere Sorgen.

Denn Schulstart heißt auch: kaufen – Hefte, Stifte, Bücher und so weiter. Die Teuerungswelle, die über das Jahr 2022 hereingebrochen ist, schwappt auch über Schulwaren. Mit dem Schulstartgeld hilft der Staat nach. Für viele Eltern ist der Schulbeginn dennoch eine große finanzielle Hürde – die jetzt zusätzlich zur Teuerung bei Strom, Gas oder Lebensmitteln zu bewältigen ist.

Schulstartgeld seit Einführung nicht erhöht

Schulwaren sind teuer. Deshalb greift der Staat Familien mit Kindern im schulpflichtigen Alter unter die Arme. Seit 2011 wird jeden September das Schulstartgeld ausgezahlt, anstelle der 13. Familienbeihilfe. Das sind 100 Euro pro Kind zwischen sechs und 15 Jahren.

Allerdings: Die Schulstart-Finanzspritze wurde seit ihrer Einführung weder erhöht noch an die Inflation angepasst. Durch die Teuerung der letzten zehn Jahre können Eltern mit diesen 100 Euro mittlerweile nur mehr Schulwaren im Wert von 73 Euro kaufen. Das ist ein Kaufkraftverlust von fast 30 Prozent.

Schulwaren heuer teurer

Heuer ist die finanzielle Belastung für Eltern besonders hoch. Allein im Jahr 2022 steigen die Preise für Schulwaren im Schnitt um sechs Prozent – der bislang größte Kaufkraftverlust im Zeitverlauf. Hätte man das Schulstartgeld jährlich indexiert, also an die Inflation angepasst, würde jedes Kind heute etwa 130 Euro bekommen.

Für den Staat wäre das ein Kinderspiel: Bei rund 860.000 Kindern, die das Schulstartgeld im Jahr 2022 in ihre Schultaschen packen, würde die Erhöhung etwa 23 Millionen Euro kosten. Die Kosten insgesamt würden auf 86 Millionen Euro ansteigen.

Geld für Unternehmen statt für Schulkinder

Zur Unternehmensrettung während der Corona-Pandemie wurde weitaus tiefer in die Taschen gegriffen – in zahlreichen Fällen zu tief. Millionen an Geldern zur flossen etwa in Österreichs Hotel- und Gastronomiebetriebe, die sich im Nachhinein als Überförderung herausstellten. Auch bei der Fastfood-Kette McDonald’s wurde mit rund 21 Millionen Euro überfördert. Geld, das genauso gut in die Indexierung des Schulstartgeldes fließen hätte können und damit wesentlich sinnvoller investiert wäre.
Einmalzahlung gleicht Wertverlust nicht aus

Zwar hat die Regierung mit dem letzten Anti-Teuerungspakets eine Sonder-Familienbeihilfe von 180 Euro pro Kind beschlossen. Ausgezahlt wurde sie aber bereits im August mit der regulären Familienbeihilfe. Und eine Einmalzahlung kann den Wertverlust des Schulstartgeldes der vergangenen zehn Jahre ohnehin längst nicht ausgleichen.

Auch auf Familien kommen immer höher kletternde Mieten, Energie- und Lebensmittelpreise zu. Besonders für Alleinerziehende werden die zusätzlichen Ausgaben für Schulwaren jeden Herbst, aber auch für Nachhilfe oder Betreuung unter dem Schuljahr zum Problem. Anstatt Unternehmen zu überfördern, sollten wir dringend dafür sorgen, dass bei Erhöhung und Anpassung von Bildungsausgaben wie dem Schulstartgeld nicht gespart wird.

 

Dieser Text erschien zunächst in der Momentum-Kolumne „Ausgerechnet – die Wirtschaft“ bei ZackZack.

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