Ein Schulkind trägt zwei Schulbücher unter dem Arm. Das Gesicht ist nicht zu sehen, der Bildausschnitt zeigt lediglich die Hände und ein Stück vom rosaroten Oberteil. Dadurch sollen Bildungschancen und deren Vererbung dargestellt werden.
/ 10. Juni 2024

Welche Bildungschancen ein Kind in Österreich hat, entscheidet sich im Moment seiner Geburt. Haben die Eltern einen Hochschulabschluss, schafft mehr als jedes zweite Kind selbst einen Uni-Abschluss. Haben die Eltern keine Hochschulbildung, gelingt nur jedem Fünften der Weg an die Uni. Das hat handfeste Folgen fürs Leben. Wer nach der Pflichtschule aufhört, ist deutlich stärker armutsgefährdet als alle, die auf der Uni waren. Ein Teufelskreis: Arme Eltern haben arme Kinder – ein Vermächtnis, dass diese Kinder ihr ganzes Leben begleitet. Jedes dritte armutsgefährdete Kind lebt als Erwachsener zwei Jahrzehnte später in materieller Armut.  

 

Bildung verspricht den Aufstieg. Aber das Schulsystem ist so gebaut, dass alle da bleiben, wo sie sind. Schon mit 10 Jahren wird über die Bildungslaufbahn entschieden. Ein Arbeiterkind muss schon überdurchschnittlich sein, um für das Gymnasium in Frage zu kommen. Bis zur Matura ist es ein langer Weg. Wir lagern in Österreich Schulbildung im großen Stil an die Eltern aus. Was auf der Schulbank nicht gelernt wird, muss am Küchentisch nachgeholt werden. Können die Eltern nicht bei den Aufgaben helfen oder die Nachhilfe bezahlen, dann ist die Schullaufbahn schnell wieder zu Ende.

 

Wer allen Kindern die Chance auf Bildung geben will, muss ganz am Anfang beginnen. Wer einen Kindergarten besucht, macht später einmal einen höheren Bildungsabschluss, hat ein höheres Einkommen und ein deutlich geringeres Risiko, arbeitslos zu werden. Doch Österreich investiert nicht mal halb so viel in die frühkindliche Bildung wie skandinavische Länder. Norwegen steckt sogar fast dreimal so viel in die Betreuung von Kleinkindern.

 

Höchste Zeit, dass wir hier unsere Hausaufgaben machen und österreichweit kostenlose, ganztägige Kindergartenplätze anbieten. Das braucht genügend engagiertes, gut ausgebildetes Personal – das wir anständig bezahlen.

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Kleinen Zeitung.

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