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Reichenliste offenbart erneut den Bedarf an vermögensbezogenen Steuern

Barbara Schuster
12. Juli 2024
Reichenliste offenbart erneut den Bedarf an vermögensbezogenen Steuern

Unter den zehn reichsten Menschen in Österreich finden sich laut „trend“-Reichenliste sechs Erb:innen. Erbschaften sind in Österreich noch ungleicher verteilt als Vermögen, beides wird nicht besteuert. Gleichzeitig kommt der Großteil der Steuereinnahmen aus Arbeit und Konsum. Die enorme Vermögenskonzentration wird dadurch verschärft. Eine Erbschaftsteuer und weitere höhere vermögensbezogene Steuern könnten diese Entwicklung abmildern, wie das Momentum Institut in einer Analyse zeigt.

Sechs von zehn der reichsten Österreicher:innen sind Erb:innen eines hohen Vermögens. Ihr Vermögen haben sie durch Glück in der Geburtslotterie. Hohe Erbschaften konzentrieren Vermögen bei den Reichsten im Land. Dadurch geht die Schere zwischen Arm und Reich weiter auf. Jede:r einzelne der Top-10 Milliardär:innen besitzt mehr Vermögen als alle 650.000 (schuldenfreie) Haushalte des untersten Vermögensfünftels der Bevölkerung zusammen. Der drittreichste Österreicher etwa besitzt als Einzelperson mehr Vermögen als 410.000 Haushalte der unteren Mittelschicht zusammen.

Die Top 10 zusammen sind heute siebenmal reicher als noch vor 20 Jahren. In der gleichen Zeit hat sich das Vermögen des untersten Fünftels gerade einmal verdreifacht. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft also immer weiter auseinander.

Selbst wenn man nur von den Top 10 Superreichen Erbschaftssteuern einhebt, würde das insgesamt je nach Modell zwischen 6,8 und 28,4 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln bedeuten. Bei der Berechnung des Erbschaftssteuervolumens wird angenommen, dass sämtliches Vermögen der Top 10 in Österreich vererbt wird. Es wird berücksichtigt, dass das Vermögen auf mehrere Erb:innen aufgeteilt wird, jedoch wird angenommen, dass das Betriebsvermögen wie üblich nur auf eine Person übertragen wird. Die Top 10 Vermögen bestehen mehrheitlich aus Betriebsvermögen. Die Unterkante der Einnahmen von 6,5 Milliarden Euro bezieht sich auf das deutsche Erbschaftssteuermodell, bei dem 85 Prozent des Betriebsvermögens von der Besteuerung ausgenommen sind. Die Erbschaftssteuermodelle orientieren sich an Grünberger, Derndorfer & Schnetzer (2024): Erbschaften in Österreich: eine Modellschätzung intergenerationeller Vermögenstransfers bis 2050. (Wirtschaft und Gesellschaft 50 (1), 21–41.) Laut dieser Analyse wird sich das Erbvolumen in den nächsten 25 Jahren beinahe verdoppeln. Da in Zukunft sogar ein noch höheres Volumen vererbt wird, ist es umso wichtiger, dass wir bei der Vermögensbesteuerung in die Gänge kommen.

Der Auf- und Abstieg von Réne Benko

René Benko belegte vergangenes Jahr noch Platz 8 der reichsten Menschen im Land. Heute ist er aber nicht einmal mehr auf der Liste zu finden. Seinen Auf- und Abstieg haben wir hier für euch zusammengefasst – und auch visuell aufbereitet.

 

Schieflage in der Steuerstruktur

Da weder auf das Vermögen noch auf die Erbschaften der Superreichen Steuern anfallen, kommt somit von 100 Steuereuros mit 75 Euro der Löwenanteil der Steuerbeiträge aus Arbeit und Konsum. Lediglich 3 Euro kommen aus vermögensbezogenen Steuern – aus der Kapitalertragssteuer (KESt), der Grunderwerbsteuer, der Grundsteuer, der Stiftungseingangssteuer und der Zweitwohnsitzabgabe.

Die KESt unterliegt allerdings einem Einheits-Steuersatz. Die Grundsteuer ist zu niedrig angesetzt und bemisst sich an veralteten Verkehrswerten zur Wertermittlung des Grunds oder der Immobilie. Problematisch dabei ist etwa, dass durch den Einheits-Steuersatz der KESt die Mindestpensionistin genauso viel Prozent auf ihr Erspartes am Sparbuch abführt, wie der Multi-Millionär.

Kaum ein anderes Land tastet Vermögen weniger an

Auch die OECD empfiehlt Österreich höhere vermögensbezogene Steuern einzuführen. Denn Österreich liegt im OECD-Ranking der Länder mit den geringsten vermögensbezogenen Steuern auf dem fünften Platz. Nur in der Slowakei, Litauen, Tschechien und Estland wird Vermögen noch weniger angetastet als bei uns. Selbst im EU-Schnitt wird Vermögen mehr als 2,5-Mal stärker besteuert als in Österreich.

Österreich hat die höchste Vermögenskonzentration der ganzen Eurozone und ist unter den leidigen Spitzenreitern mit dem niedrigsten Steuerbeitrag aus Vermögen. Gleichzeitig kommt in Dauerschleife die Empfehlung die vermögensbezogenen Steuern zu erhöhen und auch zwei Drittel der Bevölkerung sprechen sich dafür aus. Im nächsten Schritt sollte die Politik tätig werden.

Um die Vermögenskonzentration abzumildern und zu verhindern, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter aufgeht, empfiehlt das Momentum Institut vermögensbezogene Steuern wieder einzuführen und bestehende zu erhöhen. Vermögen-, Erbschafts- und Schenkungssteuern sollten wieder eingeführt werden. Die Steuer auf Grund und Boden sollte erhöht werden und die dafür herangezogenen Verkehrswerte der Immobilien regelmäßig aktualisiert werden.

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