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Auch bei Banken dreht sich die Profit-Preis-Spirale

Joel Toelgyes
14. April 2023
Auch bei Banken dreht sich die Profit-Preis-Spirale

Die Menschen in Österreich leiden unter der weiterhin hohen Teuerung. Im Februar lag sie bei elf Prozent. Das zweite Jahr in Folge liegt sie nun über dem berühmten Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Als Antwort auf die anhaltende Teuerung hat die EZB die Leitzinsen drastisch erhöht. Zuletzt auf 3,5 Prozent. Läutet das nun eine neue Ära des rentablen Sparens ein? Vorerst nicht. Es sind nämlich nicht die Sparer:innen, die als Profiteure dieser Zinspolitik aussteigen, sondern die Banken. 

Banken als Krisengewinner  

Banken nehmen Kreditzinsen ein und zahlen Zinsen auf Kundeneinlagen aus. Die Differenz der beiden Zinssätze nennt man Zinsspanne. Sie bestimmt maßgeblich den Gewinn, den eine Bank macht. Ebendiesen bauen Banken nun aus, indem sie die Gunst der Stunde nutzen und die gestiegenen Leitzinsen nur einseitig weitergeben: Kreditzinsen für Privathaushalte, etwa für Wohn- oder Überziehungskredite, wurden drastisch erhöht. Bei Bestandsverträgen stiegen sie zwischen Juni und Dezember 2022 um 0,83 Prozentpunkte.

Die Zinsen für Bankeinlagen – also für Sparbücher oder das Girokonto – fallen allerdings weiterhin mager aus. Bei den Einlagen betrug die Zinserhöhung für Bestandsverträge im selben Zeitraum lediglich 0,16 Prozentpunkte. Eine genaue Aufschlüsselung zeigt, dass die Zinsen auf die kurzfristigen Überziehungskredite am stärksten gestiegen sind. Gerade für Menschen mit niedrigen Einkommen, die ihr Konto nun oft in Folge der Teuerung überziehen müssen, stellt das ein großes Problem dar.

Die Profit-Preis-Spirale dreht sich also auch im Bankensektor. Die Zinsmargen der Banken sind als Resultat im zweiten Halbjahr 2022 um 40 Prozent gestiegen. Pro Monat betrug der Nettozinsgewinn durch Bestandsverträge im Haushaltssegment im Dezember 2022 um rund 95 Millionen Euro mehr als noch im Juni 2022. Das schlägt sich auch in der Bilanz einzelner Banken nieder: Die Erste Bank beispielsweise konnte ihren Gewinn 2022 im Vergleich zum Vorkrisenniveau 2019 um 28 Prozent erhöhen, die Bank Austria um 18 Prozent und die Bawag um 13 Prozent. 

Hilfsmaßnahmen durch Übergewinne gegenfinanzieren

Die Banken zählen somit zu den Krisengewinnern. Mit ihren steigenden Zinsspannen befeuern sie die Profit-Preis-Spirale. Denn nicht nur für Haushalte steigen die Kreditzinsen stärker als die Einlagezinsen, sondern auch für Unternehmen. Unternehmen geben diese höheren Kosten an ihre Konsument:innen weiter. Für die Haushalte bedeutet das noch höhere Kosten und eine noch höhere Belastung.

Während Banken, genauso wie die Energie-, Bau- und Landwirtschaft zu den Krisengewinnern zählen, werden Unterstützungsmaßnahmen für Haushalte seitens des Staates notwendig. Durch eine konsequentere Übergewinnsteuer für Energiekonzerne, Banken und andere Krisengewinner würden diese Unternehmen einen fairen Anteil an der Finanzierung dieser Hilfsinstrumente leisten. Zusätzlich sollte die Körperschaftssteuer (KöSt) wieder angehoben werden, die seit diesem Jahr sukzessive gesenkt wird und im Endausbau ein Steuerloch von 800 Millionen Euro jährlich bedeutet.

 

Dieser Text erschien zunächst in der Momentum-Kolumne „Ausgerechnet“ bei ZackZack.

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