Bis zu 284 Euro Ersparnis: Neuer Verbund-Tarif unterbietet fast alle Landesenergieversorger


Der mehrheitlich staatliche Stromkonzern Verbund hat mit dem angekündigten Österreich-Stromtarif ab März einen neuen, günstigeren Stromtarif in Aussicht gestellt. Mit einem Netto-Arbeitspreis von 9,5 Cent pro kWh soll Strom deutlich günstiger werden. Das Momentum Institut hat die bislang bekannten Konditionen mit den aktuellen Tarifen der Landesenergieversorger verglichen. Die Analyse zeigt: Der neue Verbund-Tarif wird deutlich günstiger als fast alle Landesversorger. Das Momentum Institut empfiehlt einen maximalen staatlichen Strompreis, damit günstiger Strom auch in allen Haushalten und Betrieben ankommt.
Unter der Annahme, dass die jährliche Grundpauschale im neuen Verbund-Tarif nicht höher ausfällt als in den bestehenden Verbund-Tarifen (Details dazu sind bisher nicht veröffentlicht), ergibt sich für einen typischen Haushalt mit 3.500 kWh Jahresverbrauch ein Strompreis von 467 Euro pro Jahr (inkl. Umsatzsteuer, ohne Netzentgelte und Abgaben). Damit liegt der neue Tarif klar unter fast allen Landesenergieversorgern und Stadtwerken größerer Städte – mit Ausnahme von Tirol und Vorarlberg. Bei der TIWAG in Tirol liegt der Preis um 31 Euro jährlich unter dem Österreich-Tarif des Verbunds, bei den Illwerken in Vorarlberg sind es 26 Euro weniger.
Das größte Einsparpotenzial zeigt die Analyse für Haushalte in der Steiermark (190 Euro teurer im Vergleich zum Verbund Österreich-Tarif), im Burgenland (219 Euro teurer), in Klagenfurt (211 Euro teurer), Linz (190 Euro teurer) und in Graz (284 Euro teurer). Dort spart ein Wechsel zum Verbund-Österreich-Tarif über 190 Euro pro Jahr.
Aber auch in Niederösterreich (175 Euro teurer), in Kärnten (123 Euro teurer) Salzburg (122 Euro teurer) und in Wien (bis zu 111 Euro teurer) liegen die aktuellen Strompreise deutlich über dem künftigen Österreich-Tarif. Die Kosten der Energie AG in Oberösterreich liegen 67 Euro über dem Österreich-Tarif.
Im Vergleich zu bestehenden Verbund-Tarifen zeigt sich: Kurzfristige Rabatte ersetzen keine fairen Preise. Der Verbund bietet derzeit „5 Monate Gratis Strom“ als Wechselrabatt an – auch für Bestandskund:innen. Dadurch ist der neue Österreich-Tarif im ersten Jahr nicht günstiger, ab dem zweiten Jahr aber deutlich billiger als alle bestehenden Verbund-Angebote. Rabattaktionen kaschieren überhöhte Preise, lösen aber das Grundproblem nicht: Österreichs Energiekonzerne verlangen zu viel für Strom.
Staatlich garantierte, niedrige Strompreise gibt es mit dem Sozialtarif, den Energieunternehmen ab 1. April für rund 250.000 einkommensärmere Haushalte anbieten müssen. Dieser liegt bei einem durchschnittlichen Haushalt bei 232 Euro pro Jahr. Betroffene Haushalte können sich fast zwei Drittel ihres reinen Strompreises plus Steuer dadurch ersparen – Netzentgelte und Stromabgaben ausgenommen.
Ziehen die Landesenergieversorger der Preissenkung des Verbunds nicht nach, bleibt Strom für die meisten Haushalte und kleinen Betriebe in Österreich teuer. Aktuell verhandelt die Bundesregierung den Energiekrisenmechanismus mit einem avisierten Netto-Strompreis von 10 Cent pro kWh. Der Preis würde – ohne Grundpauschale – auf 420 Euro pro Jahr hinauslaufen und damit unter allen aktuell verfügbaren Stromtarifen liegen.
Dass selbst ein mehrheitlich staatlicher Konzern wie der Verbund erst unter politischem Druck einen günstigeren Tarif anbietet, zeigt: Der Markt sorgt nicht für leistbare Energiepreise, sondern dafür, dass Haushalte mehr zahlen als nötig. Will die Bundesregierung die Strompreise wirklich senken, muss sie mit dem Energiekrisenmechanismus den Stromkonzernen einen Maximalpreis vorgeben, an den sich alle halten müssen. Erst dann sinken die Strompreise deutlich.