Armutsgefährdung
/ 10. August 2022

Sozialleistungen schützen vor Armut: Familienbeihilfe, Arbeitslosengeld oder Notstandshilfe hoben im vergangenen Jahr 1.026.000 Menschen über die Armutsgefährdungsschwelle. Diese liegt bei 60% des Medianlohns, das sind in 2021 1.371 Euro netto für einen Einpersonenhaushalt (12-mal im Jahr). Sind ohne Sozialleistungen also rund 2,3 Millionen Menschen von Armut betroffen, reduziert der Sozialstaat diese Zahl auf 1,29 Millionen Menschen. In dieser Zahl sind Pensionsbezüge nicht erfasst. Die Zahl armutsgefährdeter Kinder reduziert sich auf 320.000.

 

Armut betrifft Frauen stärker als Männer, insbesondere Frauen über 65 Jahren. Waren 2021 86.000 Männer armutsgefährdet, sind es mit 177.000 Frauen beinahe doppelt so viele. Für beide Geschlechter gibt es einen Zuwachs im Vergleich zu 2020. Durch Sozialleistungen wird die Anzahl der armutsgefährdeten Männer auf 446.000 reduziert. Bei den Frauen bleibt diese Zahl höher und liegt in 2021 bei 526.000 (in allen Altersgruppen).

Österreich hatte 2021 eine Sozialquote von 32,8% und gibt damit rund 132 Milliarden Euro für Sozialleistungen aus. Eine hohe Sozialquote ist wichtig, denn viele Menschen sind auf finanzielle Unterstützung durch den Staat angewiesen. In Zeiten der Teuerung wird es besonders spürbar. Die Zusammensetzung der Sozialausgaben im Vergleich zum Vorjahr zeigen eine anteilige Erhöhung im Bereich Alter und der Kranken- und Gesundheitsvorsorge. Weniger Geld fließt anteilig an Arbeitslose.

Der vergleichsweise geringe Anstieg von 2020 ist auf deutlich niedrigere Ausgaben für Arbeitslose zurückzuführen. Das liegt unter anderem an den geringeren Ausgaben für Kurzarbeit im zweiten Jahr der Pandemie. Der große Teil des Anstiegs der Sozialausgaben ist auf den Bereich Alter zurückzuführen. Mehr Geld floss außerdem an Kranke und für Gesundheitsvorsorge.

Trotz steigender Ausgaben für Sozialleistungen, ist Armut in Österreich immer noch alltäglich. Die Zahlen aus 2021 zeichnen ein dramatisches Bild: jede fünfte Person hierzulande kann unerwartete Ausgaben nicht bezahlen. Über eine Million Menschen können es sich nicht leisten in den Urlaub zu fahren, für 148.000 Menschen ist es nicht finanzierbar die Wohnung angemessen warm zu halten. Diese Entwicklungen werden sich durch die anstehenden hohen Rechnungen für Strom und Gas verschärfen.

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