Das Wort Inflation auf einer Tafel geschrieben
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/ 28. Oktober 2020

Bei der Inflation verhält es sich wie mit dem Gesetz: Vor ihr sind alle Menschen angeblich gleich. Zumindest vermittelt das die offizielle Statistik.

Der Warenkorb für den Verbraucherpreisindex liefere einen repräsentativen Querschnitt aller relevanten Lebenshaltungskosten, betont die Statistik Austria und errechnete eine Teuerungsrate von 1,5 Prozent im vergangenen Jahr. Viele haben dennoch das Gefühl, dass die Preise für das tägliche Leben viel stärker steigen, als es die offizielle Inflationsrate abbildet.

Nur eine gefühlte Wahrheit? Mitnichten. Ärmere leiden viel stärker unter der Teuerung als Wohlhabende. In den Jahren 2016 bis 2019 verzeichnete das ärmste Fünftel eine um ein Drittel(!) höhere Inflation als das reichste.

 

Schnell wenig

Menschen, die also ohnehin wenig haben, zerrinnt das Wenige viel schneller als den Wohlhabenden das Viele. Wer Miete zahlen muss und noch dazu in der Stadt wohnt, den trifft es besonders hart.

Stark gestiegene Wohnungsmieten knabbern an der Kaufkraft, weil Mieter einen hohen Anteil ihres Einkommens für Wohnen ausgeben müssen.

Nicht so für Immobilienbesitzer. Diese kassieren höchstens eine Miete und profitieren in diesem Fall auch noch von den Preissteigerungen. Das belegen auch die Zahlen: Mieter von Wohnungen in Wien waren in den vergangenen drei Jahren fast doppelt so stark von Inflation betroffen wie Wohnungseigentümer.

Für erstere stiegen die Preise kumuliert um rund 7,3 Prozent, für letztere um gerade einmal 3,9 Prozent. Alleinerziehende Eltern, also überwiegend Frauen, leiden mit kumuliert 5,9 Prozent ebenfalls besonders unter der Teuerung.

 

Wie erklärt sich nun aber die Diskrepanz zwischen gefühlter und offizieller Geldentwertung und welche Schlüsse sollten wir daraus ziehen? Wer weniger hat, gibt einen größeren Teil seines Einkommens für Dinge aus, deren Preise überdurchschnittlich anziehen, etwa für die Miete, Energie oder Lebensmittel. Dadurch verliert ein kleines Einkommen mehr an Wert als das von Wohlhabenden.

Die amtliche Berechnungsformel berücksichtigt die unterschiedlichen Ausgabengrößen und damit die höheren Einkommensverluste von Geringverdienern nicht ausreichend. Um ihre Kaufkraft zu erhalten, erhöht der Staat regelmäßig verschiedene Transferleistungen wie Pensionen oder Familienbeihilfe.

Geschieht dies auf Basis der offiziellen Teuerung, bleibt denen ganz unten dann noch weniger zum Leben. Lösen ließe sich diese Benachteiligung, wenn man bei Berechnung der Inflation die Einkommenshöhe berücksichtigt.

 

Daran könnte man auch die Anpassung staatlicher Transferleistungen orientieren. Ärmeren Menschen dadurch mehr Geld in die Hand zu geben, würde nicht nur ihre individuelle Situation verbessern.

Auch die Volkswirtschaft würde massiv profitieren. Geringverdiener oder Arbeitslose geben fast jeden zusätzlich verfügbaren Euro sofort wieder aus und stützen damit die Konjunktur.

Das wäre wirtschaftspolitisch das Gebot der Stunde.

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