Mehrwertsteuersenkung auf Lebensmittel an Ausgaben der Ärmeren ausrichten


Die Bundesregierung hat am Mittwoch für die kommende Mehrwertsteuersenkung auf Grundnahrungsmittel eine finale Liste mit begünstigten Lebensmitteln präsentiert. Ein paar Grundnahrungsmittel werden enthalten sein: Brot, Eier, Kartoffel, usw. In den vergangenen Tagen gab es darüber hinaus Forderungen, was noch alles auf der Liste stehen müsse – ausschließlich heimische Produkte, sämtliches frisches Obst und Gemüse, oder jegliches Fleisch. Das Momentum Institut schlägt ein anderes Kriterium für die erweiterte Auswahl der Produkte vor: Was ärmere Haushalte tatsächlich häufiger kaufen als jene mit hohen Einkommen. Denn aktuell deckt die Regierungsliste nur ein gutes Drittel jener Lebensmittel ab, die das einkommensärmste Haushaltsfünftel überdurchschnittlich konsumiert.
Für die Analyse wurden die Anteile einzelner Lebensmittelgruppen an den Gesamtausgaben für Lebensmittel zwischen armen und (einkommens-)reichen Haushalten verglichen – auf Basis der Konsumerhebung der Statistik Austria.
Besonders groß sind die Unterschiede zwischen dem einkommensärmsten und dem einkommensstärksten Fünftel der österreichischen Haushalte bei einigen Lebensmitteln und Getränken:
Haushalte mit wenig Einkommen geben anteilig mehr aus für Geflügel, Süßigkeiten, Fertiggerichte, Eier, Faschiertes, Kartoffeln, Reis, Tiefkühlkost, und Speiseöle (ohne Olivenöl).
Haushalte mit hohen Einkommen geben anteilig mehr aus für Wurst- und Selchwaren, Käse und Topfen, frischen bzw. gekühlten Fisch, Schokolade, Beerenobst, Blattgemüse/Kräuter, sowie nicht-zuordenbare Nahrungsmittel.
Die vorgeschlagene Liste deckt ein gutes Drittel der Lebensmittelausgaben des ärmsten Fünftels der Haushalte ab (36 Prozent). Rund die Hälfte der Liste betrifft jedoch Produkte, die von ärmeren Haushalten nicht stärker nachgefragt werden als im Durchschnitt.
Ein beträchtlicher Teil der Diskrepanz geht auf die Kategorie „Brot und Gebäck“ zurück. Heimische Haushalte wenden fast ein Zehntel ihrer Lebensmittelausgaben dafür auf. Brot ist als Grundnahrungsmittel gesetzt und steht auf der Liste. Doch insgesamt geben Besserbezahlte anteilig etwas mehr für Brot und Gebäck aus. Um die finanzielle Entlastung stärker bei Niedrigbezahlten zu konzentrieren, sollte überlebensnotwendiges Brot von der Semmel bis zum halben Kilo Mischbrot auf der Lebensmittel-Liste stehen. Streichen kann man teures Spezialgebäck vom Oliven-Feta-Stangerl bis zum Walnussbrot. Die kaufen tendenziell besserbezahlte Haushalte.
Beim Obst fehlen auf der Regierungsliste Bananen, die Haushalte mit wenig Einkommen anteilig stärker nachfragen. Beim Fleisch geben die ärmeren Haushalte mehr für Geflügel, Faschiertes, sowie für Schlaf- und Ziegenfleisch aus. Teureres Fleisch wie Rind- und Kalbfleisch erwerben vermehrt Besserbezahlte. Wild und Innereien kaufen Ärmere fast nie.
Bei Getränken geben ärmere Haushalte mehr für Milch und „Limonaden, Säfte und Energydrinks“ aus. Kaffee und Kakao werden leicht stärker von ärmeren Haushalten konsumiert, Tee von Besserbezahlten. Getränke (Ausnahme: Milch) wird die Regierungsliste voraussichtlich jedoch nicht enthalten, obwohl diese rund ein Zehntel der Ausgaben für Nahrungsmittel ausmachen.
