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Zukunftsdepot mit sozialer Schieflage: Nur die besserbezahlte Hälfte der Familien bekäme volle Steuersenkung

Barbara Schuster /  Oliver Picek
02. September 2026
Zukunftsdepot mit sozialer Schieflage: Nur die besserbezahlte Hälfte der Familien bekäme volle Steuersenkung

Der Bundeskanzler hat ein „Zukunftsdepot“ mit Steuervorteilen vorgeschlagen: Jeder Haushalt kann 5.000 Euro pro Kind auf ein Depot bei einer Bank einzahlen, befreit von der Kapitalertragsteuer. Befüllen die heimischen Haushalte das Depot aus ihren laufenden Einkommen, kann im Mittel nur die besserbezahlte Hälfte der heimischen Familien den maximalen Steuervorteil nutzen.

Pro Kopf kann eine Familie erst ab dem sechsten Einkommenszehntel über 5.000 Euro im Jahr sparen. Die Mittelschicht kann die Steuervorteile nur teilweise lukrieren, weil sie mit ihrem monatlichen Sparbetrag pro Kopf im Haushalt teils deutlich unter der monatlichen Höchstgrenze bleibt. Das schlechtbezahlteste Drittel der Haushalte hat von den Steuervorteilen fast nichts: Im Mittel sparen diese nicht bzw. können fast gar nichts zur Seite legen, weil ihre laufenden Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Das zeigt unsere Auswertung auf Basis von Zahlen der Statistik Austria.

Langfristig kommt das Zukunftsdepot den Staat teuer

Zahlt ein Haushalt für ein Kind den maximalen Betrag bis zum 18. Geburtstag des Kindes ein, bekommt er laut Rechnung des Bundeskanzlers eine Steuerbegünstigung von 23.700 Euro. Ein Haushalt, der kein Geld anlegen kann, weil er zu wenig verdient, bekommt hingegen 0 Euro für sein Kind.

Zur ungleichen Verteilung kommt die fehlende Gegenfinanzierung. Der langfristige Steuerausfall ist hoch, illustriert am Beispiel des Geburtsjahrgangs 2025: Nimmt man an, dass 45 Prozent der Familien mit 2025 geborenen Kindern die maximale jährliche Einzahlung für ihr Kind tätigen, und sich im Jahr 2043 das Geld auszahlen lassen, fällt alleine aus diesem Geburtsjahrgang in 18 Jahren ein Steuerausfall mit 807 Millionen Euro an.

Der Vorschlag des Bundeskanzlers verstärkt die soziale Schieflage. Er macht reiche Kinder noch reicher, weil der Staat auf die Kapitalertragsteuer ihrer Aktiendepots verzichtet. Für den Staat ist das ein teurer Spaß, der gegenfinanziert werden muss. Die sozialen Kürzungen aufgrund der Steuerausfälle treffen dann alle Kinder. Derweil sollte dem Bundeskanzler eigentlich jedes Kind gleich viel wert sein.

Vorzugssparbuch als bessere Alternative: Sozial treffsicher und günstiger

Von einer Steuerbefreiung auf Aktiendepots profitieren aber vor allem die reichsten Haushalte. Haushalte aus der unteren Hälfte nach Einkommenszehnteln haben im Schnitt 14.000 Euro auf ihrem Bankkonto. Sie brauchen ihr Geld zudem griffbereit. Die eiserne Vermögensreserve – etwa im Fall von Arbeitslosigkeit – am Aktienmarkt anzulegen, ist zu riskant, weil es dort auch einige Jahre nach unten gehen kann. Das Geld wäre vielleicht genau dann weniger wert, wenn man es dringend benötigt.

Als risikolosere Alternative schlagen wir ein Vorzugssparbuch mit Mindestverzinsung für Kleinsparer:innen wie in Frankreich vor. Es bezahlt derzeit einen Mindestzinssatz von 2,5 Prozent und soll vor allem die finanziellen Reserven der Kleinsparer:innen vor der Inflation schützen und mit garantierten Zinsen einen bescheidenen Vermögensaufbau unterstützen.

Hinzu kommt: Dieser Vorschlag kostet das Budget nur einen Bruchteil des Zukunftsdepots, denn die zusätzlichen Zinsen bezahlen die Banken. Um die Treffsicherheit zu gewährleisten, erhält das KESt-freie Sparbuch nur, wer nicht mehr als ein gewisses Höchsteinkommen bezieht. Im Jahr könnten etwa die drittärmsten Familien (nach Einkommenszehntel gereiht) im Schnitt jährlich mehr als doppelt so hohe Zinsen auf ihren Bankguthaben lukrieren wie bisher: 258 statt 100 Euro. Das zeigt unsere Berechnung auf Basis von Zahlen der Nationalbank.

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