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Wer arbeitet, zahlt. Wer erbt, nicht. 

Barbara Schuster
28. Mai 2026
Wer arbeitet, zahlt. Wer erbt, nicht. 

Teilzeitkräfte zahlen beim Budget besonders drauf. Die Entlastung bei den Arbeitslosenversicherungsbeiträgen für niedrige Einkommen soll zurückgefahren werden. Künftig bleibt bei vielen weniger vom Netto. Eine Lohnkürzung am Konto. 

Betroffen sind 1,4 Millionen Beschäftigte. Fast eine Million davon sind Frauen, jene Gruppe, die oft wenig bezahlt bekommt, wenig Vermögen hat, schlechtere Pensionen kriegt und zu Hause die unbezahlte Arbeit erledigt. Erleichtert wird dieser harte Einschnitt von einer Erzählung, die schon länger läuft. Teilzeit sei ja eine Lifestyle-Entscheidung. Eine Mutter reduziert Stunden, weil der Kindergarten um 14 Uhr schließt. Lifestyle? Eine Verkäuferin bekommt nur Teilzeit angeboten. Lifestyle? Eine Pflegerin schafft Vollzeit nicht, weil der Dienstplan ihren Körper ruiniert. Lifestyle? 

Österreich hat bei Müttern die höchste Teilzeitquote der EU. Sieben von zehn arbeiten Teilzeit. Kinder verändern hierzulande das Erwerbsleben von Frauen massiv. Das liegt an fehlender Kinderbetreuung und Pflegearbeit, die ebenfalls auf den Schultern der Töchter und Ehefrauen landet. In Branchen mit vielen weiblichen Beschäftigten bieten Betriebe häufig nur Teilzeit an. Praktisch, denn Teilzeitkräfte springen ein, gleichen Spitzen aus und machen Mehrstunden. Diese Mehrstunde kostet nur 25 Prozent Zuschlag, Überstunden von Vollzeitkräften 50 Prozent. 

Und während Teilzeitkräfte allein 2028 knapp 350 Millionen Euro zur Budgetsanierung beitragen sollen, bleibt die größte leistungslose Vermögensquelle, die Erbschaft, weiterhin steuerfrei. Jährlich werden über 20 Milliarden Euro steuerfrei vererbt. Wer Millionen erbt, zahlt keinen Cent Erbschaftssteuer. Wer jeden Morgen aufsteht, in den Handel fährt, Menschen pflegt oder Kinder betreut, zahlt dagegen jetzt höhere Beiträge. Allein eine Erbschaftssteuer kann 1,4 Milliarden Euro bringen. Das ist viermal so viel wie die geplante Belastung kleiner Einkommen. 

Besonders absurd ist, dass die Debatte unter dem Titel ‘Leistung’ läuft. Denn die Forschung zeigt seit Jahrzehnten: Große Erbschaften senken die Arbeitsbereitschaft. Wer plötzlich Vermögen bekommt, reduziert häufiger Arbeitszeit oder steigt ganz aus dem Erwerbsleben aus. Der sogenannte Carnegie-Effekt ist in der Ökonomie gut dokumentiert. 

Wenn Politik wirklich wollte, dass möglichst viele Menschen möglichst viel arbeiten, müsste sie große Erbschaften besteuern. Stattdessen passiert das Gegenteil. Die Pflegerin, Verkäuferin und Mutter soll mehr hackeln. Aber wer ein Zinshaus, ein Aktiendepot oder gleich ein Unternehmen erbt, soll möglichst ungestört bleiben. 

Das ist die eigentliche österreichische Lifestyle-Debatte. Nicht die Teilzeitkraft mit 1.800 Euro brutto lebt vom gemütlichen Rückzug aus der Leistungsgesellschaft. Sondern jene, die Millionenvermögen steuerfrei übernehmen und daraus Einkommen beziehen, ohne je dafür arbeiten zu müssen. Wenn Politik will, dass mehr Menschen mehr arbeiten, muss sie Arbeit überhaupt erst möglich machen: durch Kinderbetreuung, Pflegeangebote, bessere Arbeitsbedingungen und ein Recht auf Stundenaufstockung. Wer aber große Erbschaften unangetastet lässt, sollte mit dem Wort Leistung zukünftig vorsichtig sein.  

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar im Kurier. 

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