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Lohnnebenkosten-Kürzung: Welche Konzerne weniger Steuern zahlen

Barbara Schuster
09. Juni 2026
Lohnnebenkosten-Kürzung: Welche Konzerne weniger Steuern zahlen

Die Bundesregierung wird 2028 die Lohnnebenkosten für Unternehmen senken. Schätzungen anhand der Bilanzen heimischer Konzerne zeigen, wie viel weniger Steuern sie jährlich durch die Senkung bezahlen. Das Ergebnis: Große Konzerne zählen zu den wenigen Gewinnern des Sparpakets. 

Heimische Unternehmen zahlen immer niedrigere Steuer- und Abgabensätze. Trotz Sparpaket für alle anderen senkt die Bundesregierung die Abgaben für Konzerne ab 2028 weiter. Anhand der letztverfügbaren Bilanzen lässt sich schätzen, wie viel weniger Abgaben große heimische Konzerne allein durch die Lohnnebenkostenkürzung zur Budgetsanierung beitragen. Die Eigentümer:innen der Konzerne gehören damit zu den wenigen Gewinnern des Budgets 2027/28 der Bundesregierung.

Der Gewinn nach Steuern steigt durch die Lohnnebenkostensenkung am stärksten für die ÖBB mit 12,2 Millionen Euro, weil die ÖBB einen hohen Anteil ihrer Mitarbeiter:innen im Inland beschäftigt (88 Prozent). Zweitgrößter Profiteur ist der Stahlproduzent voestalpine, der zukünftig 10,2 Millionen Euro weniger Abgaben leistet. Mit Billa (9,9 Mio. Euro) und Spar (8 Mio. Euro) zählen zwei große Lebensmittelketten mit vielen Beschäftigten zu den großen Gewinnern des Sparpakets. Die Erste Bank Group erspart sich ebenso einiges an Lohnnebenkosten mit 4,6 Millionen Euro, ebenso wie das Bauunternehmen STRABAG (4,1 Mio. Euro), die Österreichische Post AG (3,3 Mio. Euro), der Mineralölkonzern OMV (1,7 Mio. Euro) sowie der Maschinenbau-Konzern Andritz (1,6 Mio. Euro). Die Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028 setzt eine Serie vergangener Senkungen verschiedener Lohnnebenkosten seit 2014 fort, von der die heimischen Großbetriebe bereits profitieren. Dadurch liegt ihr Abgabensatz bereits um 1,6 Prozentpunkte niedriger, wodurch dem Staatsbudget bereits heute rund 2,9 Milliarden Euro an Einnahmen pro Jahr entgehen.

Die Hälfte jeder Lohnnebenkostenkürzungen geht an die größten Konzerne im Land (das Top 1 Prozent der Unternehmen). Der milliardenschwere Verzicht auf Steuereinnahmen landen eins zu eins als Profite in den Bilanzen der Konzerne. Deren Eigentümer:innen gehören mit zu den reichsten Familien im Land. Es kann nicht Sinn und Zweck einer Budgetsanierung sein, dass die Reichen im Land reicher werden, während Pensionierte, Familien und Beschäftigte fürs Sparpaket zur Kasse gebeten werden. 

Hintergrund zur Berechnung:

Die Schätzung der zusätzlichen Gewinne nach Steuern erfolgt anhand der letztverfügbaren Bilanzen der Unternehmen. Heimische Konzerne sind auch im Ausland tätig. Steuersenkungen hierzulande beeinflussen nur einen Teil der Konzerngewinne – jenen Teil der Personalkosten und der Gewinne, die in Österreich versteuert werden. Weil die meisten Unternehmen nicht transparent veröffentlichen, welcher Anteil der Personalkosten und des Gewinns in Österreich erwirtschaftet wird, müssen die Anteile geschätzt werden. Dafür werden die Mitarbeiter:innenzahl im Inland, der Umsatzanteil Österreichs am Gesamtkonzern, und zusätzliche Informationen zu Gewinnen verwendet.

Die Auswahl der Betriebe wurde nach Größe und Verfügbarkeit öffentlicher Zahlen getroffen. Die Lebensmittelkette Hofer veröffentlicht keine Bilanzen. Die Raiffeisenbank International wiederum besitzt hauptsächlich Beteiligungen im Ausland. Für Red Bull war eine Abgrenzung zwischen Inland und Ausland nicht möglich.

Die Verteuerung älterer Beschäftigter über 60 Jahre ist in der Rechnung berücksichtigt (indirekt über den Anteil Älterer in der jeweiligen Branche), genauso wie der teils wieder angehobene Körperschaftsteuersatz auf die berechnete Lohnnebenkostensenkung ab 2028. Andere Veränderungen der Unternehmenssteuern (Senkung der Körperschaftsteuer von 25 auf 23 Prozent ab 2023, Wiederanhebung auf 24 Prozent ab 2028, sowie die zwei zeitlich begrenzten Steuern Bankenabgabe und Energiekrisenbeitrag) werden nicht berücksichtigt.

Ab 2028 wird noch einmal der FLAF-Beitrag der Unternehmen für Beschäftigte bis 60 Jahre um einen Prozentpunkt sinken. Das kostet das Staatsbudget ab 2028 rund 2 Milliarden Euro pro Jahr. Im Gegenzug werden die Beiträge für ältere Arbeitnehmer:innen ab 60 Jahren um 6,1 Prozentpunkte erhöht. Einen großen Anteil daran haben die FLAF-Beiträge mit 2,7 Prozent (plus Bundesland-abhängiger Dienstgeber-Zuschlag zum FLAF), hinzu kommt die Aufhebung bisheriger Abgabenbefreiungen für Beschäftigte ab 63 Jahren (Arbeitslosenversicherungsbeitrag, Beitrag zum Insolvenzentgeltfonds). Ein Teil der Lohnnebenkosten-Senkung ist damit direkt gegenfinanziert. Für Beschäftigte unter 60 sinkt der Dienstgeber-Abgabensatz von 29,56 Prozent der Bruttolohnsumme auf 28,56 Prozent ab 2028. Für jene zwischen 60 und 63 Jahren steigt er von 24,41 Prozent auf 27,46 Prozent an. Für Männer ab 63 Jahren (Frauen ab 61,5 Jahren) steigt er von 21,36 Prozent auf 27,46 Prozent an.

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