Equal Pension Day 2026: Was die Pensionslücke im Alltag bedeutet


Der Equal Pension Day fällt heuer auf den 9. August. Ab diesem Tag erhalten Pensionistinnen bis zum Jahresende rechnerisch keine Pension mehr. Der Grund ist der Gender Pension Gap, also die geschlechtsspezifische Pensionslücke zwischen Pensionisten und Pensionistinnen: Frauen bekommen im Durchschnitt 39,4 Prozent weniger Pension als Männer.
Seit 2019 hat sich die Pensionslücke nur um 2,9 Prozentpunkte verkleinert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Situation gerade einmal um 0,3 Prozentpunkte verbessert, 2025 fiel der Equal Pension Day auf den 7. August. Bleibt es bei diesem Tempo, wäre die Pensionslücke erst in 95 Jahren, also im Jahr 2121, geschlossen.
Die durchschnittliche Alterspension (14-mal pro Jahr) von Frauen beträgt 1.614 Euro brutto. Bis zur durchschnittlichen Männerpension von 2.664 Euro fehlen Pensionistinnen also mehr als 1.000 Euro brutto monatlich.
Die durchschnittliche Frauenpension (12-mal pro Jahr netto zum Vergleich mit Armutsgefährdungsschwelle) ist sogar so gering, dass sie knapp 70 Euro unter der Armutsgefährdungsschwelle von 1.827 Euro für Ein-Personen-Haushalte liegt. Männer hingegen beziehen Pensionen, die rund 743 Euro über dieser Armutsgrenze liegen. Altersarmut ist in Österreich ein überwiegend weibliches Problem. Zwei Drittel jener Personen, die eine Mindestpension (Ausgleichszulage) beziehen, sind weiblich.
In Österreich gibt es auch zwischen den Bundesländern beträchtliche Unterschiede:
In der Eurostat-Auswertung der durchschnittlichen Pensionen von Personen ab 65 Jahren (daher Abweichung zur oben angegeben Pensionslücke von 39,4 Prozent) liegt Österreich mit einer Pensionslücke von 35 Prozent auf Platz zwei der EU27-Länder mit den größten Pensionslücken. Nur Malta weist einen noch größeren Unterschied auf.
Eine Auswertung der Konsumerhebung 2019/20 (letztverfügbare Zahlen) zeigt, wofür alleinlebende Pensionist:innen ihr Einkommen (Pensionseinkommen und etwaige andere Einkommen) ausgeben. Die Konsumquote von Frauen liegt bei 1,09. Das bedeutet: Pensionistinnen geben rechnerisch neun Prozent mehr aus, als ihr laufendes Einkommen hergibt. Sie müssen auf Ersparnisse zurückgreifen, Unterstützung erhalten oder Ausgaben aufschieben. Bei Männern liegt die Konsumquote bei 0,97. Sie geben im Durchschnitt weniger aus, als sie einnehmen, und können einen kleinen Teil ihres Einkommens zurücklegen.
Pensionistinnen müssen mehr ausgeben, als ihr Einkommen hergibt. Besonders bitter ist, dass ihr Geld vor allem in Wohnen, Energie, Lebensmittel sowie Gesundheit und Pflege fließt. Das sind Ausgaben, bei denen man kaum einsparen kann.
Pensionistinnen müssen einen größeren Teil ihres Budgets für Grundbedürfnisse verwenden. Gemessen am verfügbaren Einkommen geben Frauen 17 Prozent für Wohnen und 16 Prozent für Ernährung aus. Bei Männern sind es 14 beziehungsweise 13 Prozent. Für Ernährung geben Frauen 16 und Männer 13 Prozent aus. Für Energie beläuft sich der Anteil am Einkommen bei Frauen auf 7, bei den Männern auf 6 Prozent. Für Gesundheit einschließlich Medikamenten, ärztlicher Leistungen sowie Spitals- und Pflegeleistungen benötigen Frauen acht Prozent ihres Einkommens, Männer nur vier Prozent.
Besonders bezeichnend ist, wofür nach den Grundbedürfnissen Geld ausgegeben wird. Frauen müssen einen größeren Anteil für Gesundheit, Pflege und soziale Dienstleistungen reservieren. Männer geben dagegen 17 Prozent ihres Einkommens für Mobilität aus, Frauen nur zehn Prozent. Für Gastronomie und Beherbergung sind es bei Männern neun Prozent, bei Frauen sechs Prozent. Auch für Alkohol und Tabak verwenden Männer mit vier Prozent einen doppelt so hohen Anteil wie Frauen.
Alleinlebende Pensionistinnen geben für das Wohnen genauso viel von ihrem Einkommen aus wie Pensionisten für ihre Mobilität, überwiegend für das Auto. Diese Gegenüberstellung offenbart viel über die ungleichen Möglichkeiten und Lebensrealitäten im Alter.
Bei alleinlebenden Pensionistinnen sind Wohnen mit 307 Euro, sonstige Ausgaben einschließlich sozialer Dienste und Versicherungen mit 299 Euro sowie Ernährung mit 286 Euro die größten monatlichen Ausgabenposten. Es folgen Mobilität mit 169 Euro, Gesundheit mit 145 Euro und Freizeit mit 140 Euro.

Bei Männern ist Mobilität mit 435 Euro der größte Posten. Danach folgen Wohnen mit 348 Euro und Ernährung mit 328 Euro. Für Gastronomie und Beherbergung geben Männer monatlich 228 Euro aus, Frauen 109 Euro. Bei Alkohol und Tabak stehen 108 Euro bei Männern nur 35 Euro bei Frauen gegenüber.

Am stärksten unter Druck stehen alleinlebende Frauen, die zur Miete wohnen. Ihre Konsumquote liegt bei 1,15. Sie geben somit rund 15 Prozent mehr aus, als ihr Einkommen deckt. Bei männlichen Mietern in Pension liegt die Quote bei 0,94. Sie können im Durchschnitt einen Teil ihres Einkommens zurücklegen.
Mieterinnen geben 30 Prozent ihres verfügbaren Einkommens für Wohnen aus, Mieter 23 Prozent. Werden Wohnen, Ernährung und Energie zusammengezählt, fließen bei Mieterinnen 53 Prozent des Einkommens allein in diese drei Grundbedürfnisse. Bei Mietern sind es 40 Prozent.
Auch Eigentum beseitigt die Ungleichheit nicht. Eigentümerinnen geben 33 Prozent ihres Einkommens für Wohnen, Ernährung und Energie aus, Eigentümer 27 Prozent. Auffallend ist der Bereich Mobilität: Männer im Eigentum verwenden dafür 23 Prozent ihres Einkommens, Frauen elf Prozent. Eigentum reduziert zwar die Wohnkosten, schafft aber für Frauen nicht denselben finanziellen Spielraum wie für Männer.
Nötig sind gute und transparente Löhne, bessere berufliche Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen, eine Aufwertung von sogenannten ‚Frauenberufen‘. Weiters empfiehlt das Momentum Institut ausreichend leistbare Kinderbetreuung und Pflegeangebote sowie eine partnerschaftlichere Verteilung der Sorgearbeit, etwa durch eine verpflichtende Väterkarenz und eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, damit Männer mehr unbezahlte und Frauen mehr bezahlte Arbeit übernehmen können. Betreuungs- und Pflegezeiten müssen darüber hinaus pensionsrechtlich besser abgesichert werden. Gleichzeitig braucht es unmittelbare Entlastungen für ältere Frauen, die bereits in Pension sind: leistbares Wohnen, niedrigere Energiebelastungen und einen guten, finanziell zugänglichen Zugang zu Gesundheit, Pflege und sozialen Dienstleistungen. Besonders alleinlebende Mieterinnen müssen gezielt unterstützt werden und es braucht armutsfeste Sozialleistungen.