Verteilung
favorites-circle favorites-circle
favorites-circle-full favorites-circle-full

Cannabis-Legalisierung bringt halbe Milliarde jährlich

Leonard Jüngling
22. Mai 2026
Cannabis-Legalisierung bringt halbe Milliarde jährlich

Während Österreich über Sparpakete, Kürzungen und Einsparungen in Ministerien diskutiert, bleibt ein großes Budgetpotenzial ungenutzt: Eine regulierte Legalisierung von Cannabis könnte dem Staat jährlich rund 500 Millionen Euro durch neue Einnahmen und geringere Ausgaben bringen, wie eine Analyse des Momentum Instituts zeigt. 

Allein der legale Verkauf von Cannabis kann rund 210 Millionen Euro für das Budget bedeuten. Davon entfallen 152 Millionen Euro auf eine etwaige Cannabissteuer und 58 Millionen Euro auf Umsatzsteuer. Weitere 93 Millionen Euro entstehen durch neue Beschäftigung und Unternehmen – etwa über Sozialversicherungsbeiträge, Lohnsteuer, Körperschaftsteuer und Lohnnebenkosten. 

Dazu kommen erhebliche Einsparungen: Rund 192 Millionen Euro könnten bei Polizei, Gerichten und Justizvollzug wegfallen. Denn derzeit werden weiterhin Ressourcen dafür eingesetzt, Menschen wegen kleinen Cannabis-Delikten zu verfolgen – oft wegen Fällen, die weder schwere Kriminalität betreffen noch zur öffentlichen Sicherheit beitragen. 

Österreich kann es sich nicht leisten, aus ideologischen Gründen an einem überholten Cannabis-Verbot festzuhalten und damit auf hunderte Millionen Euro zu verzichten. Wer bei Pensionist:innen und Familien sparen will, muss auch ehrlich darüber reden, wo der Staat heute völlig unnötig Geld liegen lässt. Das ist finanzpolitisch unvernünftig, kriminalpolitisch fragwürdig und gesellschaftlich nicht mehr zeitgemäß. 

Steuer auf Cannabis fast mit Alkohol gleichauf

Der Vergleich mit bestehenden Verbrauchsteuern zeigt zusätzlich: Eine Cannabissteuer ist kein Randthema. Mit einem Einnahmevolumen von geschätzten 152 Millionen Euro läge sie beinahe auf dem Niveau der Biersteuer mit rund 179 Millionen Euro und nahe an der Alkoholsteuer mit rund 185 Millionen Euro (2026 noch 145 Mio. Euro, laut Budgetplänen 2027 zusätzlich 40 Mio. Euro und ab 2028 zusätzlich 50 Mio. Euro). Die Tabaksteuer bringt dem Staat sogar rund 2,2 Milliarden Euro jährlich. Österreich besteuert also längst legale Suchtmittel – nur bei Cannabis hält die Politik weiterhin an Verbot und Kriminalisierung fest. 

Bei Alkohol und Tabak setzt der Staat längst auf Regulierung und Besteuerung. Bei Cannabis tut er so, als würde das Verbot den Konsum verschwinden lassen. Das Gegenteil ist der Fall: Der Schwarzmarkt bleibt bestehen, der Staat verzichtet auf Einnahmen und Polizei und Justiz werden unnötig belastet. 

Eine Legalisierung würde nicht bedeuten, Cannabis zu verharmlosen. Im Gegenteil: Ein regulierter Markt ermöglicht Alterskontrollen, Qualitätsstandards, Prävention und klare Regeln. Derzeit findet der Konsum im Schwarzmarkt statt, ohne Kontrolle, ohne Steuereinnahmen und ohne Schutz für Konsument:innen. 

Gerade im Zuge des Sparpakets ist die Frage naheliegend, warum ausgerechnet hier nicht angesetzt wird. Ministerien sollen bei sich selbst einsparen, gleichzeitig werden Polizei und Justiz weiter mit Cannabis-Verfahren beschäftigt. Eine Entkriminalisierung würde die Exekutive und Judikative entlasten und Ressourcen für wichtige Aufgaben freimachen. 

Auch wirtschaftlich hätte eine Legalisierung Vorteile: Ein legaler Markt schafft Arbeitsplätze in Anbau, Verarbeitung, Handel, Kontrolle und Verwaltung. Wertschöpfung, die heute im Schwarzmarkt landet, könnte in Österreich entstehen. Die Frage ist nicht, ob Cannabis in Österreich konsumiert wird. Die Frage ist, ob der Staat weiter zusieht – oder ob er reguliert, besteuert, entkriminalisiert und damit Budget, Menschen, Polizei und Justiz entlastet. 

Details zur Berechnung:

Die Berechnung der Einnahmen und Einsparungen einer Cannabissteuer orientiert sich an der Studie von Haucap & Knoke (2021) „Fiskalische Auswirkungen einer Cannabislegalisierung in Deutschland: Ein Update“. Sofern es die Datenlage ermöglicht, wurden Zahlen für Österreich herangezogen, ansonsten wurden die Werte aus Haucap & Knoke übernommen und aus Österreich umgelegt und berechnet. Der Cannabis-Gesamtbedarf von 35 Tonnen ergibt sich aus den Konsumierenden in Österreich (laut EUDA) und der Konsumfrequenz (aus Haucap & Knoke übernommen). Analog zur deutschen Studie wird ein Vorsteuerpreis von 4 Euro/Gramm und ein dem Schwarzmarktpreis entsprechender Bruttopreis von 10 Euro/Gramm angenommen (Schwarzmarktpreis aus dem Bericht zur Drogensituation in Österreich 2025), daraus ergibt sich pro Gramm eine Cannabissteuer von 4,33 Euro und Umsatzsteuer (20 Prozent) von 1,67 Euro. Die Einnahmen aus der Körperschaftsteuer ergeben sich aus der Zahl der durch die Legalisierung entstehenden Betriebe im Einzelhandel, Kultivierung und verarbeitenden Gewerbe – abgeleitet von der Anzahl an Betrieben die durch die Legalisierung in Colorado, USA, entstanden sind. Die daraus folgenden zusätzlichen Arbeitsplätze (Colorado: 69 vollzeitäquivalente Arbeitsplätze pro Tonne) erzeugen das zusätzliche Aufkommen an Lohnsteuer, Sozialversicherung und Lohnnebenkosten (Familienlastenausgleichsfonds und Kommunalsteuer). Die Einsparungen im Bereich der Justiz ergeben sich aus dem Anteil der Cannabis-Delikte an allen Straftaten und den Ausgaben der Landespolizeidirektionen, Justizanstalten, Oberlandesgerichte und des Bundesverwaltungsgerichts. 

Anzeige
Alles
Text
Grafiken
filter filter