Erspartes
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/ 23. Februar 2021

Wegen Corona ist in Deutschland die Sparquote von elf auf 16 Prozent gestiegen. 100 Milliarden Euro mehr als im Jahr davor wurden dort 2020 auf die Seite gelegt, wie Medien berichteten. Wir ersparen uns etwas, weil wir unser Geld Lockdown-bedingt nicht mehr ausgeben können? Manch einer, war zu lesen, weiß gar nicht, was er mit dem Geld für den ausgefallenen Bali-Urlaub anstellen soll. Sauna? Ein neues Auto?

Die Realität ist leider etwas komplizierter. Wer über ein hohes Einkommen verfügt, kann viel davon für nicht unbedingt Nötiges ausgeben, für Urlaube, Restaurants, Shopping-Ausflüge. In der Krise fällt davon einiges weg. Gleichzeitig kommen Bezieher höherer Einkommen besser durch die Krise: sie verlieren weniger oft den Job, sind seltener in Kurzarbeit. Ihnen bleibt tatsächlich mehr Geld übrig.

Anders sieht es bei der breiten Mehrheit der Menschen aus. Über 500.000 Menschen sind arbeitslos, mehr als 450.000 in Kurzarbeit. Die Kurzarbeit ist zu Recht viel gelobt, aber auch mit ihr gibt es für die Beschäftigten empfindliche Einkommenseinbußen. In der Gastronomie, in der Trinkgeld eine wichtige Rolle spielt, ist das Einkommens-Minus in Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit noch höher. Hier ist zu wenig Geld da, um die Bedürfnisse zu decken. Jede zweite Familie mit normalem Einkommen hat keine Ersparnisse mehr, 8 von 10 Arbeitslosen kommen mit ihrem Geld nicht aus. 

Schließlich verrät die Sparquote auch etwas über die Erwartungen von Menschen: wer etwa fürchtet, den Job zu verlieren, legt eher etwas auf die Seite. 

Das ist nachvollziehbar, das Problem insgesamt ist aber: im Wirtschaftskreislauf sind die Ausgaben des einen die Einnahmen des Nächsten. Die nicht ausgegebenen Euros fehlen, der Konjunkturmotor stottert. Deswegen ist der Staat gefordert, Konsumausgaben zu stützen. Etwa über ein – zumindest befristet – höheres Arbeitslosengeld. Über ökologische Konsum-Gutscheine, oder indem er selbst Jobs schafft. In Pflege, Bildung, Justiz ist dafür aktuell hoher Bedarf. Denn wenn sowohl Private als auch der Staat sparen, ist ein Wirtschaftsaufschwung nach Corona schlicht unmöglich.

 

Gastkommentar für die Kleine Zeitung, 17.02.2021

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