Klima
favorites-circle favorites-circle
favorites-circle-full favorites-circle-full

Wer beim Hitzeschutz spart, zahlt drauf

Barbara Blaha
29. September 2026
Wer beim Hitzeschutz spart, zahlt drauf

Wer einem Kind heuer im Juni erklären musste, warum es bei brütender Hitze im Klassenzimmer lernen soll, kann seit letzter Woche immerhin einen Fortschritt vermelden: Die Regierung hat den Entwurf für ein Klimagesetz vorgelegt. Wie Bund und Länder den Treibhausgasausstoß konkret senken sollen, will sie bis Ende 2027 in einem eigenen Plan festlegen. Bei dem Tempo haben die Kinder die Matura, bevor der Sonnenschutz am Klassenfenster hängt.

Das Gesetz, das Zuständigkeiten klärt und Klimaziele festhält, ist längst überfällig. Aber sein Wert wird sich daran messen lassen, was es verändert. Das hübsche Bekenntnis zur Klimaneutralität 2040 senkt die Temperatur noch um kein Zehntelgrad. Und während die Regierung ihren Fahrplan erarbeitet, könnte sie längst mit etwas beginnen, das Menschen schützt und zugleich die Wirtschaft stärkt: Unsere öffentlichen Gebäude müssen endlich hitzegeschützt werden.

Denn die Hitze trifft auf Menschen mit sehr unterschiedlichen Möglichkeiten, ihr zu entkommen. Wer Geld hat, kann sein Haus dämmen oder sich eine Klimaanlage leisten. Ein Kind sucht sich sein Klassenzimmer aber ebenso wenig aus wie eine Pflegebedürftige ihr Zimmer im Heim. Dort entscheidet die öffentliche Hand – ergo wir alle – mit, wie erträglich der nächste Sommer wird.

Die übliche Antwort lautet derzeit überall, leider, dafür fehlt das Geld. Tatsächlich sind die Budgets angespannt. Gerade deshalb sollte Österreich eine Möglichkeit nutzen, die Brüssel eröffnet hat. Für Investitionen, die die Abhängigkeit von fossiler Energie verringern, können EU-Länder zusätzliche Spielräume bei den Budgetregeln beantragen. Dazu zählen auch umfassende energetische Gebäudesanierungen.

Das Momentum Institut schlägt vor, daraus ein Hitzeschutzpaket von 3,36 Milliarden Euro zu schnüren. Nach unserer Schätzung könnte der Bund damit die Sanierung von rund 1.600 Kindergärten und 1.300 Schulen vollständig finanzieren. Dabei müssen Dämmung, Beschattung und Kühlung zusammengedacht werden. So lassen sich Räume im Sommer besser vor Überhitzung schützen und im Winter sinken die Heizkosten. Auf diese Weise entlasten wir das Budget sogar dauerhaft und ein Teil der Investitionen kommt auf diesem Weg wieder herein.

Auch wirtschaftlich wäre das vernünftig. Die Bauwirtschaft braucht Aufträge, ein wesentlicher Teil unserer schwachen Nachfrage liegt an der geringen Bautätigkeit. Das Paket würde Arbeitsplätze schaffen oder sichern und zugleich ließen sich rund 300.000 Tonnen CO₂ einsparen. Natürlich bleibt geliehenes Geld eine Verpflichtung in der Zukunft. Doch auch unterlassene Investitionen haben einen Preis. Wer die Sanierung auf den Nimmerleinstag verschiebt, bezahlt weiter hohe Energierechnungen und nimmt jedes Jahr hohe volkswirtschaftliche Kosten in Kauf. Schließlich macht uns dauerhafte Hitzebelastung krank, verursacht also zusätzliche Behandlungskosten und senkt die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz genauso wie in der Schule.

Die Regierung kann jetzt zeigen, wie ernst sie ihr Klimagesetz nimmt. Sie sollte den europäischen Spielraum beantragen und ein Sanierungsprogramm auf den Weg bringen. Wenn der nächste Sommer kommt, werden Kinder wenig danach fragen, welche Steuerungsgruppe wann getagt hat. Sie werden merken, ob ihr Klassenzimmer kühler ist.

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar im Kurier.

Anzeige
Alles
Text
Grafiken
filter filter