

Die Bundesregierung plant, den Familienbonus ab 2027 teilweise zurückzunehmen. Für zumindest jede fünfte Familie steigt somit die Einkommensteuer. Das Momentum Institut hat anlässlich des Tags der Familie am Freitag (15. Mai) analysiert, wen die Steuererhöhung trifft: Überwiegend arbeitende Haushalte der ärmeren Mittelschicht. Die Einkommensverluste der betroffenen Familien belaufen sich im Durchschnitt auf 606 Euro des jährlichen Netto-Haushaltseinkommens.
Familien können den Familienbonus Plus von 2.000 Euro pro Kind und Jahr nicht mehr zur Gänze einem Elternteil zuteilen, um ihre Einkommensteuer zu senken. Stattdessen müssen sie den Einkommensteuer-Absetzbetrag zumindest im Verhältnis von 75 zu 25 für ihre Steuererklärungen verwenden. Bekommen Zweitverdiener:innen der Familie jedoch zu wenig Gehalt, fallen bei ihnen von vornherein gar keine Einkommensteuern an. Somit fällt die Familie künftig um bis zu einem Viertel des bisherigen Steuer-Bonus um (bis zu 500 Euro pro Kind und Jahr), weil der Anspruch verfällt.
Die Einkommensverluste der betroffenen Familien durch die Kürzung des Familienbonus belaufen sich im Durchschnitt auf 606 Euro für ein Jahr. Das entspricht 0,8 Prozent ihres jährlichen Netto-Haushaltseinkommens.
Nach Einkommen gereiht bekommen Haushalte der unteren Mittelschicht die Kürzung des Familienbonus am häufigsten zu spüren. Fast zwei Drittel der betroffenen Familien befinden sich in der einkommensärmeren Hälfte der Haushalte. Die Familienbonus Kürzung selbst fällt überwiegend am Lohnzettel gutbezahlter Familienväter an. Der Großteil aller Betroffenen (68 Prozent) ist sogar im einkommensstärksten Einkommensfünftel nach Personeneinkommen vertreten, fast alle arbeiten Vollzeit. Dennoch: Sobald ihre Partner:in zu wenig bezahlt bekommt, ist die Familie von der Kürzung betroffen. Hat die Familienmutter einen schlecht bezahlten Teilzeitjob als Reinigungskraft, bezahlt ihr Mann künftig mehr Steuern. Hat sie einen gutbezahlten Teilzeit-Bürojob, bleibt alles beim Alten.
Mehrkind-Familien verlieren häufiger und mehr Geld
Familien mit mehreren Kindern verlieren durch die Reform den betroffenen Teil des Familienbonus häufiger. In Österreich gibt es rund eine Million Familien mit Kindern unter 25 Jahren (im Durchschnitt 1,8 Kinder) und zwei Elternteilen. Die Familienbonus Kürzung trifft mehr als jede vierte Familie (277.000 Haushalte) mit mehr Kindern (im Durchschnitt 2,1 Kinder). Nicht-betroffene Familien haben im Schnitt 1,7 Kinder.
Umso mehr Kinder, umso größer sind auch die finanziellen Verluste der betroffenen Familien. Unter den betroffenen Haushalten zahlen künftig Familien mit einem Kind im Mittel 380 Euro pro Jahr mehr an Lohn- und Einkommensteuer, jene mit zwei Kindern 550 Euro. Familien mit drei Kindern verlieren durchschnittlich 870 Euro. Am meisten verlieren Familien mit vier oder mehr Kindern (1.010 Euro). Auch relativ zu ihrem bisherigen Einkommen trifft die Kürzung Familien mit drei Kindern am stärksten: Ihr Netto-Haushaltseinkommen sinkt durch die Maßnahmen um 1,1 Prozent im Jahr. Vier-Kind-Familien verlieren 1 Prozent ihres Nettoeinkommens, Zwei-Kind-Familien 0,7 Prozent, Ein-Kind -Familien 0,6 Prozent.
In der Praxis am häufigsten wirkt sich die Familienbonus Kürzung auf Familien mit zwei Kindern (136.000 Haushalte) aus. Knapp jede zweite der insgesamt 277.000 betroffenen Familien fällt in diese Kategorie, gefolgt von 62.000 Ein-Kind-Haushalten und 68.000 Drei-Kind-Haushalten. Weil nur wenige Familien mehr als vier Kinder haben, fallen nur rund 11.000 Familien darunter. Alleinerziehende sind von der Steuererhöhung ausgenommen. Die Anzahl der betroffenen Familien wird in der Analyse mit dem Mikrosimulationsmodell EUROMOD dennoch unterschätzt: Getrennte lebende Paare, die sich bislang ebenfalls den Familienbonus voll aufteilen können, werden mangels Daten nicht berücksichtigt. Die steueroptimierende Aufteilung für beide Elternteile der Familie ist in der Berechnung vorausgesetzt. Ob alle Familien das auch so durchführen, ist nicht bekannt.
Auch Vollzeit-Familien werden finanziell benachteiligt
Hinter der Kürzung steckt auch die Absicht der Regierung, einen steuerlichen Anreiz zu setzen, von Teilzeit auf Vollzeit zu wechseln. Doch werden mit der Kürzung des Familienbonus selbst Familien jener Mütter finanziell abgestraft, die ohnehin schon Vollzeit arbeiten. Knapp ein Viertel der betroffenen Zweitverdiener:innen (24 Prozent) arbeitet bereits Vollzeit. 72.000 solchen Familien wird die Einkommensteuer erhöht, obwohl sie eigentlich keine Stunden aufstocken können.
Insgesamt gehen knapp drei Viertel der Zweitverdiener:innen im Haushalt – meist die Mütter – einer bezahlten Erwerbstätigkeit nach. Im Mittel arbeiten sie 28,3 Stunden pro Woche. In der Hälfte der betroffenen Familien ist die Zweitverdiener:in – zumeist die Mutter – teilzeitbeschäftigt. Nur in einem guten Viertel (26 Prozent) der betroffenen Familien geht die schlechter bezahlte Person des Elternpaars keiner bezahlten Erwerbstätigkeit nach.
Für die meisten Beschäftigten ist die Arbeitszeit kein Wunschkonzert, vor allem nicht für Familien mit Kindern. Hat ein Elternteil zu wenig Gehalt, muss die Familie künftig mehr Steuern bezahlen. Das wirkt absurd und bedeutet, dass Geringbezahlte stärker zur Kasse gebeten werden.