Tempo 100: Die billigste Energiepolitik liegt auf der Straße


Die Energiekrise ist längst im Alltag angekommen. Tanken wird fast täglich teurer, die Versorgung unsicherer und gleichzeitig wird so getan, als hätte die Politik kaum Handlungsspielraum. Dabei liegt eine der einfachsten Maßnahmen buchstäblich auf der Straße: Tempo 100.
Die Zahlen sind eindeutig. Wer auf der Autobahn statt 130 nur 100 km/h fährt, verbraucht im Schnitt rund 22,6 Prozent weniger Sprit. Das ist fast ein Viertel weniger Spritverbrauch. Anders gesagt: Jede vierte Tankfüllung könnte man sich sparen, ganz ohne neue Technologie, ohne zusätzliche Förderprogramme.
Und trotzdem wird genau diese Maßnahme reflexartig abgelehnt. Zu langsam, zu unpopulär, zu sehr Eingriff in die persönliche Freiheit. Das ist politisch bequem, aber energiepolitisch fahrlässig.
Denn die Energiekrise betrifft alle, auch jene, die gar kein Auto besitzen. Erdöl steckt nicht nur im Tank, sondern in Transport, Produktion und damit in den Preisen im Supermarkt. Gleichzeitig ist Autobesitz ungleich verteilt. Haushalte mit höherem Einkommen besitzen häufiger Autos, oft auch größere und verbrauchsstärkere. Wer mehr hat, verbraucht mehr, und treibt damit die Nachfrage nach einem Rohstoff, den die gesamte Gesellschaft braucht. Denn Österreich ist hochgradig abhängig von fossilen Importen. Weniger Verbrauch heißt daher nicht nur geringere Kosten, sondern auch mehr Versorgungssicherheit.
Natürlich wird das die Energiekrise nicht allein lösen. Aber genau darum geht es: Viele kleine, sofort wirksame Maßnahmen statt großer Ankündigungen ohne Effekt. Wer ernsthaft behauptet, man könne die Krise bewältigen, ohne den Energieverbrauch zu senken, ignoriert die Realität. Wer es ernst meint mit Versorgungssicherheit und leistbarer Energie, sollte dort anfangen, wo es sofort wirkt: auf der Autobahn. Tempo 100 wäre ein Anfang.