Weltfrauentag 2026: Unbezahlte Arbeit lässt Lohnlücke auf 45 Prozent steigen


Anlässlich des Weltfrauentags am 8. März weist unsere neue Analyse auf die Ungleichverteilung der unbezahlten Arbeit und damit einhergehenden Problemen hin: Frauen erzielen in Österreich trotz längerer Gesamtarbeitszeit nur 36 Prozent des Gesamteinkommens – ein tatsächlicher Gender Pay Gap von rund 45 Prozent, wenn unbezahlte Haus- und Sorgearbeit mitgerechnet wird. Neben der Analyse präsentieren wir außerdem den „Care-Rechner“ – ein Werkzeug für faire Verteilung, das sichtbar macht, wie die Sorgearbeit im eigenen Haushalt aufgeteilt ist.
Männer haben zwar eine höhere Erwerbsbeteiligung bzw. verbringen sie deutlich mehr Stunden in ihrem bezahlten Job – da sie aber zu Hause fast die Hälfte weniger an unbezahlten Tätigkeiten, wie putzen, waschen, einkaufen, kochen, Kinder betreuen und Angehörige pflegen übernehmen, sind es Frauen, die auf die ganze Woche betrachtet mehr Arbeitsstunden leisten – allerdings werden sie für deutlich weniger bezahlt.
Eine aktuelle Untersuchung, basierend auf der Zeitverwendungserhebung 2021/22 und der Verdienststrukturerhebung 2022 (Statistik Austria), deckt ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit von Frauen und Männern auf. Während Frauen im Schnitt 1,5 Stunden pro Woche mehr arbeiten, erhalten sie lediglich 36 Prozent des gesamten Erwerbseinkommens, obwohl sie 40 Prozent der bezahlten Arbeit leisten.
Dieses Bild verändert sich deutlich, sobald unbezahlte Arbeit mitberücksichtigt wird. Dann leisten Frauen nicht mehr nur 40 Prozent, sondern rund 51 Prozent der gesamten Arbeitszeit (bezahlte und unbezahlte Arbeitsstunden zusammengezählt). Da sie gleichzeitig weiterhin nur 36 Prozent des gesamten Arbeitseinkommens erhalten, steigt der Einkommensunterschied pro geleisteter Arbeitsstunde stark an: Rechnet man bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammen, klafft der Gender Pay Gap bei rund 45 Prozent.
Der klassische Gender Pay Gap berücksichtigt ausschließlich bezahlte Stunden und blendet damit die erhebliche Belastung durch unbezahlte Haus- und Sorgearbeit aus. Die erweiterte Berechnung macht deutlich, dass die wirtschaftliche Benachteiligung von Frauen weit größer ist als bislang angenommen. Für Politik und Wirtschaft bedeutet dies, dass Maßnahmen zur Lohngerechtigkeit nicht nur Lohnstrukturen, sondern auch die Verteilung unbezahlter Arbeit adressieren müssen.
Frauen arbeiten insgesamt mehr, bekommen aber weniger bezahlt. Die unbezahlte Arbeit verschärft die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern deutlich. Lohngerechtigkeit bedeutet nicht nur gleiche Löhne für gleiche Arbeit, sondern auch eine gerechtere Verteilung der unbezahlten Arbeit zu Hause.
Der Care-Rechner macht sichtbar, wie die Sorgearbeit im eigenen Haushalt aufgeteilt ist. Dabei füllen Sie und ihr:e Partner:in individuell einen Fragebogen aus, der erst Grundsätzliches zur Lebenssituation abfragt und im Anschluss, wer typische Tätigkeiten der Haus- und Sorgearbeit stemmt. Am Schluss zeigt das Tool wie die Arbeit aufgeteilt ist und wo möglicherweise noch Verhandlungsbedarf besteht.
Um die unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen, ist ein flächendeckender Ausbau von sozialer Infrastruktur – vom Kindergarten bis zum Pflegeheim – empfehlenswert. Außerdem kann eine verpflichtende Väterkarenz dabei helfen, die Rollenverteilung bei der Hausarbeit und bei der Kindererziehung von Geburt an fairer aufzuteilen und gleichzeitig traditionelle Rollenbilder und Stereotype am Arbeitsmarkt aufbrechen. Eine Lohntransparenzrichtlinie sowohl im öffentlichen Bereich als auch in der Privatwirtschaft sowie in kleinen Betrieben als auch in Großkonzernen zeigt Ungleichheiten bei der Bezahlung auf und kann so dafür sorgen, den Gender Pay Gap zu verringern. Auch eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich kann helfen, dass Männer mehr Sorgearbeit übernehmen, während Frauen ihre Erwerbsarbeit ausdehnen können.