Verbund-Übergewinne 2025: Wasserzins würde jährlich bis zu eine halbe Milliarde einbringen


Heute veröffentlicht Österreichs größter Stromerzeuger, die Verbund AG, seinen Konzernbericht für 2025. Seit Ausbruch der Energiekrise 2022 verbucht der Energiekonzern insgesamt 4,65 Milliarden Euro an Übergewinnen. Nach mehrjährigen zufälligen Rekordgewinnen führt der Stromerzeuger allerdings nur 6 Prozent seiner Übergewinne durch Abschöpfung ab, wie eine neue Auswertung zeigt. Daher empfiehlt das Momentum Institut die Einführung eines Wasserzinses nach Schweizer Vorbild, um bis zu eine halbe Milliarde Übergewinne pro Jahr effektiv abzuschöpfen.
Einschränkungen des Welthandels, wie Russlands Angriff auf die Ukraine, führten zu steigenden Gaspreisen und damit auch zu einem enormen Anstieg der Strompreise. Grund dafür ist das Merit-Order-Prinzip, das den Strompreis am gesamten Markt anhand des teuersten noch nachgefragten Kraftwerks bestimmt. In der Regel handelt es sich dabei um ein Gaskraftwerk. Die Stromgestehungskosten des Verbunds – also die Kosten für die Erzeugung des Stroms – wachsen aber nicht proportional mit. Denn: Der Verbund erzeugt 90 Prozent seiner Energie aus Wasserkraft.
Energieunternehmen erzielten in der Folge Milliardengewinne, 2025 waren es bei Österreichs größtem Stromanbieter Verbund 1,489 Milliarden Euro. Der Gewinn ist damit mehr als doppelt so hoch (+121 Prozent) wie im Vorkrisenniveau der Jahre 2018-2021. Mit Rekordgewinnen von 2,3 Milliarden Euro im Jahr 2023 schreibt der Verbund das vierte Jahr in Folge Übergewinne. Seit dem Ausbruch der Energiekrise ergeben sich kumuliert Übergewinne in Höhe von 4,65 Milliarden Euro.
Die Gewinne des Verbunds liegen seit vier Jahren doppelt so hoch – teilweise sogar dreimal höher – als in einem durchschnittlichen Jahr vor Ausbruch der Energiekrise. Während die Haushalte in Österreich mit immer höher werdenden Stromrechnungen kämpfen, sprudeln beim Verbund Gewinne in Milliardenhöhe.
Zwar gibt es bereits einen Mechanismus zur Übergewinn-Abschöpfung: den Energiekrisenbeitrag, doch dieser ist zahnlos ausgestaltet. Von insgesamt 4,65 Milliarden Euro an zusätzlichen Verbund-Gewinnen wurden bis 2025 nicht einmal 6 Prozent – eine Viertelmilliarde Euro in vier Jahren – abgeschöpft. Der Wasserzins hingegen wäre mit 1,74 abgeschöpften Milliarden an Übergewinnen 6-mal effektiver.
Die Schweiz zeigt bereits seit über hundert Jahren, dass ein Wasserzins als Abgabe auf Strom aus Wasserkraft funktioniert. Diese liegt aktuell bei umgerechnet etwa 1,5 Cent pro Kilowattstunde. Umgelegt auf den Verbund würde so ein Wasserzins etwa bis zu eine halbe Milliarde Euro pro Jahr ausmachen.
Die Verbund AG liegt zwar mehrheitlich in öffentlicher Hand, aus Sicht des Staates ist der Wasserzins den üblichen Gewinnausschüttungen aber überlegen. Während Dividenden auch an andere private Aktionär:innen fließen, geht der Wasserzins zu 100 Prozent an die öffentliche Hand.
Bei den gegenwärtigen Rekordgewinnen werden 200 bis 300 Millionen Euro pro Jahr an private Aktionäre ausgeschüttet. Geld, dass im Budget fehlt, unter anderem zur sozialen Abfederung der hohen Energiekosten.
Das Momentum Institut empfiehlt daher die Einführung eines Wasserzinses nach Schweizer Vorbild, wie bereits im Policy Brief „Wasserzins: Ein permanenter Beitrag der Energiewirtschaft gegen das Leck im Staatshaushalt“ ausführlich dargelegt.
Übergewinn ist definiert als Nettogewinn abzüglich des jährlichen Gewinns im Vierjahresschnitt der Vorkrisenperiode.