Weltgesundheitstag 2026: Harte Jobs, schlechte Gesundheit – Belastung im Beruf sozial ungleich verteilt


Am 7. April ist Weltgesundheitstag. Eine aktuelle Analyse des Momentum Instituts zeigt: Körperliche Belastungen im Berufsalltag sind ungleich verteilt und treffen vor allem Menschen mit niedrigerem Bildungsabschluss. Gleichzeitig steigen die Krankenstände mit dem Alter deutlich an. Wer über ein höheres Pensionsantrittsalter diskutiert, darf diese Realität nicht ignorieren.
Wer weniger Bildung hat, arbeitet härter und ungesünder
Gesundheit hängt nicht nur vom Einkommen ab, sondern stark vom Bildungsabschluss. Daten aus dem österreichischen Gesundheitsbericht zeigen: Beschäftigte ohne Matura sind deutlich häufiger körperlichen Belastungen ausgesetzt.
Während höher Gebildete vor allem unter intensiver Bildschirmarbeit leiden – fast jede zweite Person (48 Prozent) berichtet von starker Augenbelastung – sind Arbeitnehmer:innen mit Pflichtschul-, Lehr- oder BMS-Abschluss überproportional von klassischer körperlicher Arbeit betroffen.
So geben vier von zehn Beschäftigten (40 Prozent) mit niedriger oder mittlerer Bildung an, regelmäßig monotone Hand- oder Armbewegungen auszuführen. Unter höher Gebildeten ist es nur jede vierte Person (25 Prozent).
Gesundheitliche Belastungen im Beruf sind sozial ungleich verteilt. Wer einen geringeren formalen Bildungsabschluss hat, arbeitet deutlich häufiger unter körperlich anstrengenden oder gesundheitsschädlichen Bedingungen.
Besonders deutlich ist der Unterschied beim Heben schwerer Lasten: Mehr als ein Drittel der Beschäftigten mit maximal Pflichtschulabschluss (37 Prozent) oder Lehr-/BMS-Abschluss (36 Prozent) ist davon betroffen – gegenüber nur 12 Prozent bei Personen mit höherer Bildung.
Auch das Unfallrisiko ist stark ungleich verteilt: Rund 30 Prozent der Beschäftigten mit niedriger oder mittlerer Bildung berichten von erhöhten Unfallgefahren im Job, bei höher Gebildeten ist es nur jeder Zehnte.
Ältere Beschäftigte sind häufiger im Krankenstand
Mit dem Alter steigt die gesundheitliche Belastung zusätzlich. Daten aus dem Fehlzeitenreport des WIFO zeigen: Die Krankenstandsquote nimmt über den Erwerbsverlauf deutlich zu, besonders stark kurz vor der Pension.
Während Beschäftigte mittleren Alters rund vier Prozent ihrer Arbeitszeit im Krankenstand sind, liegt die Quote bei den 60- bis 64-Jährigen bereits bei 7,5 Prozent (Männer) bzw. 8,5 Prozent (Frauen). Das ist mehr als doppelt so hoch wie bei den 45- bis 49-Jährigen.
Viele Menschen erreichen die Pension heute schon nicht gesund. Wer ein höheres Pensionsalter fordert, blendet die ungleiche Verteilung von Belastungen im Arbeitsleben aus.
Eine gerechte Gesundheitspolitik muss diese Unterschiede berücksichtigen. Das Momentum Institut empfiehlt daher eine nachhaltige Finanzierung von Kassen, Spitälern und Primärversorgungszentren. Einsparungen verschärfen den Trend zur Zwei-Klassen-Medizin und verschlechtern den Zugang zu Versorgung, insbesondere für jene, die sie am dringendsten brauchen.
Zudem zeigt die Forschung klar: Lange Arbeitszeiten schaden der Gesundheit. Eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich kann dazu beitragen, dass Menschen länger gesund im Erwerbsleben bleiben, statt krank in Pension zu gehen.