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Kinderwunsch trifft Wirklichkeit

Barbara Blaha
02. Juni 2026
Kinderwunsch trifft Wirklichkeit

Die Geburtenrate sinkt, und erstaunlich schnell landet die Debatte bei Frauen. Sie bekommen zu wenig Kinder, und dann noch zu spät. Ihnen ist die Karriere wichtiger, sie sind zu anspruchsvoll geworden. Frauen hierzulande stehen demnach vor einem unlösbaren Dilemma: Sie sollen gleichzeitig gut ausgebildet, wirtschaftlich unabhängig, voll erwerbstätig und möglichst früh Mutter sein.

Zum Kinderkriegen gehören allerdings zwei. Und immer mehr Menschen bekommen heute später Kinder, weil sich unser gesamtes Leben nach hinten verschoben hat. Die Ausbildung dauert länger, wirklich stabile Jobs kommen später, das Wohnen wird immer teurer, die Unsicherheit größer. Gleichzeitig ist die Realität von Elternschaft in Österreich immer noch so organisiert wie vor 50 Jahren.

Sobald Kinder da sind, reduziert meist die Frau ihre Erwerbsarbeit. Die Väter arbeiten überwiegend weiter Vollzeit. Die Teilzeitquote von Frauen mit Kindern ist dafür extrem hoch. Für viele Frauen bedeutet Mutterschaft auch heute noch weniger Einkommen, schlechtere Karrierechancen und größere finanzielle Abhängigkeit.

Dazu kommt, dass dieselbe Politik, die derzeit darauf drängt, dass wir “mehr Mut zu Kindern” haben sollen, gleichzeitig Familienleistungen kürzt. Betroffen sind vor allem arbeitende Familien der unteren und mittleren Einkommen. Familien also, die ohnehin jeden Monat rechnen müssen.

Dabei zeigen die Daten seit Jahren ziemlich klar, was Menschen brauchen, wenn sie sich für Kinder entscheiden sollen: leistbares Wohnen, gute Kinderbetreuung, faire Löhne, planbare Arbeitszeiten und eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit. Ein Kinderwunsch wird vor allem dort verwirklich, wo Menschen das Gefühl haben, dass ihr Familienleben finanziell, organisatorisch und emotional bewältigbar ist. Das wäre ein sinnvoller Ausgangspunkt für die politische Debatte.

 

Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Kleinen Zeitung. 

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