

Die Leitzinsen steigen, die EZB erhöht sie auf 2,5 Prozent. Was nach einer technischen Nachricht für Finanzmärkte klingt, hat sehr konkrete Folgen für uns alle. Denn Zinsen verteilen Geld. Und in den letzten Jahren sind dabei vor allem Österreichs Banken sehr gut ausgestiegen.
Bevor die Zentralbank den Leitzins wieder nach oben gezogen hat, haben die Banken hierzulande dank der Zinsen einen Ertrag von rund 16 Milliarden Euro erwirtschaftet. Letztes Jahr waren es bereits 26 Milliarden. Das ist ein Plus von über 60 Prozent. Entscheidend für diesen schönen Gewinnanstieg waren die höhere Margen der Banken, also der Abstand zwischen den Zinsen, die Banken einnehmen, und jenen, die sie selbst zahlen.
Das zeigt sich in unserem Alltag. Wer sein Erspartes täglich fällig auf die Bank trägt, bekommt dafür im Schnitt 0,43 Prozent Zinsen. Wer Geld auf der Bank liegen hat, spürt von den hohen Leitzinsen also kaum etwas. Ganz anders ist das für alle, die einen Kredit abstottern müssen. Hier werden saftige Zinsen fällig.
Das Ergebnis sieht man in den Bilanzen der Banken. Sie verdienten letztes Jahr nach Steuern 11,8 Milliarden Euro. Das war das zweithöchste Ergebnis ihrer Geschichte. Gewinne gehören zur Marktwirtschaft, aber es ist doch relevant, wie sie zustande kommen. Ein erheblicher Teil des Rückenwinds der Banken geht auf eine geldpolitische Entscheidung zurück, nicht auf ihre besondere unternehmerische Leistung.
Umso erstaunlicher ist daher, wie bescheiden der Beitrag der Branche zur Budgetsanierung bleibt. Die erhöhte Bankenabgabe entspricht nicht einmal 5 Prozent der Bankengewinne. Gleichzeitig werden bei den Pensionisten und den Familien Einsparungen gemacht und ihnen wird erklärt, für sie sei kein Geld da. Da stimmt die Relation nicht.
Wenn eine Branche durch politische Rahmenbedingungen viele Milliarden zufällig verdient, darf die Allgemeinheit einen größeren Anteil davon erwarten. Eine deutlich höhere Bankenabgabe wäre mehr als angemessen.
Dieser Text erschien zunächst als Gastkommentar in der Kleinen Zeitung.